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Theater Krefeld/Möchengladbach

Lenz

Lenz © Stutte
© Stutte

Text von Georg Büchner (1813–1837)
mit Liedern von Franz Schubert (1797–1828)



Regie: Frank Hänig
Bühne und Kostüme: Frank Hänig
Dramaturgie: Martin Vöhringer


Lenz, der Unbehauste, ist zum Jahreswechsel 1777/1778 physisch und psychisch erschöpft. Im Jahr zuvor hat der Dichter ständig die Orte gewechselt, eine Anstellung war nirgend in Sicht. Die Freundschaft zum verehrten Goethe ist zerbrochen. Lenz irrt in der Welt umher und wird irre an der Welt. Da raten ihm Freunde, den Pfarrer Oberlin in den Vogesen aufzusuchen. Am 20. Januar 1778 trifft Jakob Michael Lenz im Pfarrhaus ein, drei Wochen wird er bleiben, dann lässt Oberlin ihn unter Bewachung wegschaffen nach Straßburg. Er hat keine Kraft mehr, den Wahnsinnsschüben und Selbstmordversuchen von Lenz zu begegnen.

Straßburg im Sommer 1835: Georg Büchner beginnt mit seiner Novelle Lenz. Von einem Freund hat er Oberlins Bericht über Lenz’ Aufenthalt erhalten, der ihn tief getroffen haben muss: „Die Verwandlung dieses Materials in Kunst riecht nach Hexerei“, schreibt Christa Wolf. „Bis man dahinter kommt, dass der Erzähler den vollen Einsatz gezahlt hat: Mit wenigen Mitteln hat Büchner sich selbst dazugetan, seinen unlösbaren Lebenskonflikt: der Dichter, vor die Wahl gestellt, sich an unerträgliche Zustände anzupassen und sein Talent zu ruinieren oder physisch zugrunde zu gehen.“

Werther. Lenz. Kurt Cobain. Die Reihe der an ihren Idealen und an ihrer Gesellschaft verzweifelnden Künstler und Kunstfiguren reicht bis ins Heute. Wie mit der Novelle Lenz die moderne Prosa entsteht, so beginnt mit dem Dichter Jakob Michael Lenz die zuweilen verzweifelte Suche des modernen Individuums nach seinem Platz in der Welt. Sich anzupassen, gelingt nicht jedem.
Die Dramatisierung des Theaters Krefeld und Mönchengladbach gebraucht dabei einen Kunstgriff: Sie stellt dem scheiternden Lenz den über alle Maßen erfolgreichen Goethe gegenüber, dem „Meteor“ (wie Goethe ihn verächtlich nannte) die Sonne – und dazu eine junge Frau, in die die zwei Dichter zu Lebzeiten bis über beide Ohren verliebt waren: Friederike Brion, die Pfarrerstochter aus Sesenheim.


Vorstellungsdauer: ca. 1:05 Stunde, keine Pause