Mit Büchners "Lenz" brachte Frank Hänig großes Theater in kleiner Form. Drei grandiose Schauspieler machten das Kammerspiel zu eindringlichen Erlebnis
[Hänig] hat ein Stück, das fesselt, und starke Schauspieler. Felix Banholzer als Lenz, Daniel Minetti als Goethe und Felicitas Breest als Pfarrerstochter Friederike Brion füllen das Glasfoyer [...] mit solcher Präsenz, dass dem Publikum [...] der Atem stockt. [...] Hänig hat die Erzählung als Bühnenfassung eingerichtet [...] und dabei exakt die Klangfarben in Büchners fein instrumentierter Sprache getroffen. [...] Banholzer schreit und verstummt, er rast wie ein Tier im Käfig, steht Kopf, springt die Zellenwände hinauf in dem Gefühl, dass das Schicksal ihn auf eine Nadelspitze stellt. [... ] Minetti wechselt im Handumdrehen die Rollen vom beschwichtigenden Arzt Lenzens zum Dichterfürsten Goethe [...]. Ein verzogener Mundwinkel reicht, um die tiefe Verachtung für den "Affen Goethes" [...] zu spiegeln. [...] Eine wunderbare Idee ist es, Breest als Friederike [...] sechs Lieder aus Schuberts Winterreise singen zu lassen. Mit kräftiger geschulter Stimme, die in leiseren Passagen eine anmutige Traurigkeit begleitet, formuliert sie, was für Lenz geschrieben sein könnte. Mit den "Gefrorenen Tränen" und "Drei Sonnen sah ich am Himmel stehen" trifft sie ins Mark. Fazit: Großes Theater auf kleiner Bühne.
[Rheinische Post Krefeld, 20. November 2010]


