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Theater Krefeld/Möchengladbach

Richard O′Brien′s „The Rocky Horror Show“

Der Kult lebt

Die Rocky Horror Show war von Anfang an weder eine Theaterstück noch Musical. Seit 1973, als das Stück das erste Mal auf die Bühne fand, ist es [viel]mehr Ausdruck eines Lebensgefühls […]. Das Erstaunliche dabei: Dieses Lebensgefühl trägt über viele Generationen. Und so ist auch das Haus in Mönchengladbach-Rheydt am Sonntagnachmittag quasi ausverkauft. Durch das dicht gefüllte Foyer geistern Statisten in ihren verrückten Kostümen, die Johanna Maria Burkhart stark an die Originalfetzen angelehnt und nur behutsam modernisiert hat. Auf den Stufen zum Balkonaufgang tritt Columbia auf und erklärt dem Publikum mit kieksend-überdrehter Stimme die notwendigen Tanzschritte. So sind die Zuschauer schon elektrisiert, ehe sie noch den Saal betreten haben. Eine wunderbare Idee!
Was dann beginnt, ist eher eine Party mit dem Publikum als Aufführung. […] Links vorne das ‚Regiepult’ des Erzählers Matthias Oelrich, der schmunzelnd die boring-Rufe über sich ergehen lässt. Im Zentrum der Bühne [Johanna Maria Burkhart] der Aufzug für die großen Auftritte von Dr. Frank’N’Furter, dahinter ein Podest, auf dem die Rocky Horror Band platziert ist. Ansonsten viel Platz, auf dem das Personal sich in der Einstudierung von Ralph Frey austoben kann. […] Felicitas Breest verleiht der Janet […] eine erotische Komponente, was der Rolle gut bekommt. […] Der Brad von Ronny Tomiska ist stark persiflierend überzeichnet, was beim Publikum gut ankommt. Eine gute Figur verleiht Adrian Linke dem Dr. Frank’N’Furter. […] Überzeugend[…] sind Esther Keil als Usherette und Helen Wendt als Columbia. Sehr eindrucksvoll ist die Rock’n’Roll-Tanzeinlage, die Helen Wendt und Felix Banholzer als Eddie scheinbar leichtfüßig absolvieren. So muss Rock’n’Roll getanzt werden: Akrobatik aus Spaß an der Freud′. Dr. Everett Scott ist im Rollstuhl sicher nicht ganz einfach zu spielen, aber Joachim Henschke meistert das. […] Paul Steinbach verleiht dem Riff-Raff exakt die schleimig-unterwürfig-hinterhältige Haltung, die den Reiz der Rolle ausmacht.
Während die „Transilvanians“ herrlich über die Bühne wuseln, findet die Rocky Horror Band unter Willi Haselbek zu jenem unvergleichlichen Sound, der bis heute jeden Fan zum Mitmachen einlädt.

[www.opernnetz.de, Opernnetz – Zeitschrift für Musiktheater und Oper, 29. November 2011]

Absolut schriller und kultiger Abend

Es könnte […] ein ganz normaler Premierenabend werden. Und doch ist schon vor Beginn der Vorstellung vieles irritierend und anders als sonst. […] Da, ein gellender Schrei lässt das Publikum aufschrecken. Plötzlich steht Usherette, gespielt von Esther Keil, auf der Bühne: „Seid ihr bereit, euch völlig gehen zu lassen?“, fragt die Dame im transilvanischen Outfit das Publikum und eröffnet mit „Science fiction – double feature“, dem ersten Song aus der „Rocky Horror Show“, einen absolut schrillen und kultigen Abend. Nach dem schaurig schönen Auftakt ist das Publikum im Theater Mönchengladbach endgültig in ausgelassener Partystimmung. […] An diesem Premierenabend werden die unvergessenen Kult-Hits aus dem Musical von Richard O’Brien originalgetreu zum Leben erweckt. Mit sinnlichen, wollüstigen, skurrilen Tanzperformances zu Live-Musik, dazu überzeugende Stimmen und eine Rocky-Horror-Band, die mittendrin mitspielt im außerirdischen Geschehen. Auch Adrian Linke erweckt als Dr. Frank’N’Furter zu neuem Leben. Cornelius Gebert spielt sein Retortengeschöpf Rocky – ein vollkommenes und schönes Wesen. […] An diesem Abend dient das The-ater nicht als Lehranstalt oder als Ort der Aufklärung. Was zählt, ist allein der Mitmach- und Erlebniswert. […] Regisseur Frank Matthus spielt bei seiner Inszenierung des Musicals mit den bekannten Elementen des Kultfilms und bringt gleichzeitig die Vorzüge des Bühnen-stücks zur Geltung: Das sinnlich-gruselige Gefühl, mittendrin zu sein und interaktiv mit den Schauspielern spielen zu können. Am Ende gibt es Standing-Ovations und jede Menge Zugaben – ganz nach dem Motto „Let’s do the Time Warp again!“.

[Westdeutsche Zeitung Mönchengladbach, 17. Oktober 2011]

Theater wird zum Tollhaus

Richard O’Briens schwüle Travestieshow, die sich in den 70ern als Film Kultstatus eroberte, funktioniert auch auf der Bühne bestens. Denn all die Publikums-Handlungen, die sich im Lauf der Jahre in den Kinos entwickelten, gehen im Theater natürlich auch auf – jedenfalls, wenn die Regie es darauf anlegt. Frank Matthus gibt in seiner Inszenierung „dem Affen Zucker“ – die zu erwartenden Saal-Kommentare hat er zum Teil bereits eingearbeitet. Ausstatterin Johanna Maria Burkhart zitiert fleißig die schrille Film-Garderobe, die den „Sweet Transvestite“ Dr. Frank’N’Furter in Strapse und Pumps kleidet, seine skurrile Gruselschloss-Festgesellschaft in allerlei morbide-erotischen Halbgewänder und das schüchterne Spießerpärchen Janet und Brad in Studentenkluft und wenig Aufregendes drunter. […] Das ist alles wunderbar. Denn die Schauspieltruppe, deren etliche Mitglieder gerade noch in „Hedda Gabler“ tiefgründig zu erleben waren, hauen als Musical-Stars gehörig auf die Pauke. Esther Keil als Magenta ist im Auftrittssong ein echter Hit. […] Felicitas Breest als Janet vermag auch stimmlich zu entzücken […]. Die Fäden der krausen Geschichte zieht Adrian Linke als Frank’N’Furter so schamlos wie genial, zeigt viel Body und Bewegungstalent. Paul Steinbach als buckliger Riff-Raff ist ebenso ein Kracher wie Helen Wendt als Columbia und Joachim Henschke als Dr. Scott im Rollstuhl, der sich am Ende den Anzug vom Körper reißt und schräge Dessous offenbart. Dazu macht die Band um Willi Haselbek so stilsicher-mitreißend Musik, dass vom berüchtigten Time-Warp das Publikum elektrisiert wird. […] Man grölt und zischt, schnipst und klatscht, pöbelt mit Hingabe vielstimmig „boaring!“, wenn der Erzähler (ganz köstlich für jeden Zwischenruf zu haben: Matthias Oelrich) von seinem Gelehrtentisch am Rande in die Szene eingreift.

[Rheinische Post Mönchengladbach, 17. Oktober 2011]

Don’t dream it – Be it! Musical-Weltklasse im Krefelder Theater

Schon mit den ersten Takten und Tönen […], gesungen von der grandiosen Esther Keil (Magenta) fast in der originalen Tonlage der Film-Stimme, sind wir überrumpelt. Hingerissen! Es brandet ein Jubel auf, dass man sagen könnte: Genau das ist es! Das ist der Ton. So oder gar nicht funktioniert dieses Musical – das ist die Stimmung der Rocky Horror Show. Wobei ich im Laufe des Abends meiner uneingeschränkten Begeisterung dahingehend Luft mache, dass ich kühn zu behaupten wage: Vieles ist besser als im Film! […] Als der erste Reis fliegt, ist der Bann gebrochen und wenn zu "There’s a light…" im großen Rund des Theaters die Taschenlampen, Leuchtstäbe und Irrlichter angehen, dann haben wir alle nostalgische Tränen in den Augen und nur zehn Minuten später beim legendären "Time-Warp" sind immerhin zwei Drittel von den Theaterstühlen aufgestanden und tanzen mit, was der großartige Erzähler Matthias Oerlich vorgibt: "Just a jump to the left…" Hier kommen wir alle zusammen […] im Rhythmus dieser tollen, dieser mitreißenden Musik. Leider hatte sich der ursprüngliche Riff-Raff Darsteller Paul Steinbach verletzt. […] Doch glücklicher Weise konnte mit Michael Kargus ein Idealinterpret, der die Rolle dauf hatte, kurzfristig eingeflogen werden. Seine grandiose Leistung unter diesen Bedingungen verdient Sonderbeifall. Mehr als trefflich und mit großer Selbstironie waren Janet und Brad besetzt. Ronny Tomiska übertraf sich selbst und die fabelhafte Felicitas Breest toppte […] noch unser aller unvergessenes Idealmodell von 1974 Susan Sarandon. […] Toll! Bezaubernd. Eine Traumbesetzung für diese Dessous-Rolle! Genial konterkariert mit dem 60er Jahre Schießer-Look von Brad. Lassen wir an dieser Stelle, eh es vergessen wird, allerhöchste Lobeshymnen für Johanna Maria Burkhart (Bühne, Maske und Kostüme) ertönen. Zumindest optisch sieht alles so raffiniert aus, als hätte man den ganzen Kostümetat dieser Saison verbraten. Dem Maskenbildner-Team gebührt sicherlich ein Schmink-Oscar! Die "goldene Schallplatte" geben wir der Band unter der engagierten Leitung von Willi Haselbek & seinen Jungs. Einer Alt-68er Combo, die allen heutigen Leichtmatrosen der Popmusik und Weicheimusikern noch jedes Schmalz von der sprichwörtlichen Stulle spielte. Danke für die sagenhafte Authentizität, welche die des Films spielend erreicht; alle Gitarren-riffs waren stimmig vorhanden und der Rhythmus fetzig wie vor 40 Jahren. Ein gelungener Time-Warp in die schöne Oldiezeit. Herzlichen Dank! Frank Matthus (Regie) schafft mit der Inszenierung dieses Meisterwerks praktisch die Quadratur des Kreises, womit ich meine, dass die Theaterversion eines bekannten Films stellenweise besser rüberkommt, als dieser selber, ohne ihn nun schmähen zu wollen. Zusammen mit Ralph Frey (Choreografie) präsentieren sie uns einen Musical-Abend, wie er in den Staaten am legendären Broadway oder im Londoner West-End kaum besser zu finden sein wird. Nix Provinz: Weltklasse in Krefeld! Da tanzt der Bär… Wenn der Old-Star des Krefelder Theaters Joachim Henschke als Dr. Everett Scott (uhh!), seine netzstrumpfbewehrten hübschen Beine zeigt, steht das Haus Kopf. Und Eddie (pscht!), weiland Felix Banholzer, rockt tatsächlich die der legendäre Meat Loaf. Cornelius Geberts Rocky zeigt prachtvollen Sixpack, während Columbia (Helen Wendt) sowohl tanztechnisch, als auch sängerisch brilliert. Last but not Least der Star des Abends – die Traumbesetzung, von der nicht wenige Kolleginnen sagen, dass er in dieser Montur mit den Netzstrümpfen und auf High-Heels sogar eine bessere Figur machte als die bis dato ultimative Le-gende Tim Curry: Adrian Linke. Vielleicht der Mega-Star des Niederrheinischen Schauspiels, letztlich noch in „Amadeus“ in einer Traumrolle zu erleben. Wer Linke in dieser Produktion sieht, könnte Tim Curry vergessen. […] Er schafft es z.B. grandios gerade eben die im Original angelegte sarkastische Ironisierung jener gestelzten Sprache der englischen Oberschicht hörbar zu machen; darüber hinaus könnte er in diesem Outfit, bei aller Travestie, den Preis für den "sexiest Man aller Zeiten" auf der Theaterbühne sofort bekomme. Was für eine sagenhafte und irisierende Darstellung! Wir sprechen jetzt nicht mehr über die sechs Zugaben praktisch aller Hauptsongs, welche den Abend in einer großen fabelhaften Publikumsparty aus-klingen ließen – was keinen mehr auf den Sitzen hielt, sondern nur noch darüber, wie an Karten zu kommen ist – dabei ist Eile geboten […]. Hinfahren! Hinfahren! Hinfahren! Einer der wunderbarsten Theaterabende, die ich in den letzten 40 Jahren an diesem Haus genießen durfte. Don′t dream it – Be it!

[www.deropernfreund.de, 7. Februar 2011]

Horrorparty mit hohem Spaßfaktor

Das Spektakel um einen biederen jungen Mann und seine brave Verlobte, die nach einer Autopanne in einem merkwürdigen Schloss voller sexuell überdrehter Transsylvanier stranden, fesselt auch nach 40 Jahren noch. "Rocky Horror" ist Kult. Und dem verpasst [Regisseur Frank] Matthus eine Frischzellenkur. Richard O′Briens frühe Form des interaktiven Theaters wird zur schrillen, lauten Party. Die Zuschauer sind in Feierlaune, nur wenige sind skeptisch, ob das Ensemble an die Ikonen des Originals herankommt. Esther Keil als Magenta lässt Bestes hoffen. Verheißungsvoll böse haucht und röhrt sie ihre Empfehlung: "Don’t dream it, bet it". Und spätestens als der Meister auftritt, sind alle Zweifler überzeugt: Adrian Linke verbietet mit dem ersten Aufschlag seiner falschen Wimpern als Frank′N′Furter alle Vergleiche mit dem legendären Tim Curry. Lasziv wiegt er die Hüften, wenn er auf Absätzen stöckelt, mit denen er selbst Heidi Klum beeindrucken könnte. Das Publikum tobt. Sex und Drags und dazu dröhnende Beats: die schrillen 70er leben. Streng geregelte Vorgaben für den Ablauf, die Bühne, die Musik und die Kostüme hatte Regisseur Matthus zu erfüllen. Sein Trumpf ist das Ensemble – und ein Publikum, das in der Spielfreude kaum nachsteht. […] Matthias Oelrich als steifer Erzähler genießt es sichtlich, sich aus der Menge mit "Boring"-Rufen als Langweiler beschimpfen zu lassen. Ronny Tomiska schafft das Widersprüchliche: er lässt die Farblosigkeit des biederen Brad schillern. Felicitas Breest zeigt als Janet mit zuckersüßer Quietschstimme die Unschuld aus der Provinz, die sich allzu gern erotisch erwecken lässt. Johanna Maria Burkhart ist mit Bühne und Kostüme ganz nah am Original – vom Kunstgeschöpf Rocky (Cornelius Gebert) in den Goldschüchen über die nölige Columbia (Helen Wendt) bis zu den schrillen Transsylvanians. Für den Riff-Raff (grandios böse: Paul Steinbach) gibt es Szenenapplaus. Adrian Linke als Frank′n′Furter der Leder und Straps gewordene Alptraum der feinripp-bewamsten Bravbürger. Dass er lustvoll in die dunkelsten Tiefen eines Charakters vordringt hat er schon früher als bitterböser Conferencier in Shockheaded Peter bewiesen. Genüsslich heizt er die Stimmung an. Verbündete sind die Musiker der von Willi Haselbek geleiteten Rocky Horror Band. Live und in Knallfarben erzielten die Ohrwürmer ihre Wirkung. Und mancher Zuschauer hatte am Ende schon die Tickets für eine kommende Vorstel-lung in der Tasche.

[Rheinische Post Krefeld, 31. Januar 2011]

Zeitlos Grandios

Spielfreudig und überdreht gehen sie […] ans Werk, und zwar bis in die Nebenrollen, die Paul Steinbach (Riff-Raff), Helen Wendt (Columbia), Joachim Henschke (Dr. Everett Scott) und die anderen wunderbar schräg ausfüllen. Klarer Herrscher im Gruselbkabinett ist […] Adrian Linke als Frank’N’Furter, der auf Absätzen tuntig über die Bühne stakst, als habe er nie etwas anderes gemacht. In ihm vereinigen sich Sexmaschine und Kotzbrocken zu einem überirdischen Wesen. Er ist der umjubelte Star des Abends. […] Stimmlich herausragend ist Felicitas Breest als naive Janet, die ihre Wandlung von der grauen Maus zu Raubkatze optisch wie dar-stellerisch perfekt vollzieht. Ronny Tomiska ist als Langweiler Brad […] für manchen Lacher gut. […] Die Bühne und vor allem die Kostüme (beides Johanna Maria Burkhart) sind ein Fest für die Augen, die Musiker um Willi Haselbek in bester Spiellaune, die Songs des Rocky-Schöpfers Richard O′Brien zeitlos grandios.

[Westdeutsche Zeitung Krefeld, 31. Januar 2011]

Ensemble wird frenetisch gefeiert

Das Schauspielhaus ist bis auf den letzten Platz ausverkauft. Das Licht geht aus, es geht los, der Time Warp nimmt seinen Lauf, es fehlt nichts, es fliegt Reis, die Toilettenpapierrollen bedecken das Publikum. Das komplette Ensemble, was acht Wochen für diese Premiere gearbeitet hat, spielt sich in einen Rausch, was auch das Publikum begeistert. […] Spätestens bei der ca. 25minütigen Zugabe hält es keinen mehr auf den Sitzen, das komplette Ensemble wird frenetisch gefeiert […]. Das schönste Bild des Abends ergibt sich dann, als […] die vollständige Backstage-Mannschaft die Bühne betritt und sich vom Publikum genauso für ihre Arbeit feiern lässt wie die Schauspieler und Musiker der Rocky Horror Show.

[www.go-krefeld.de, 31. Januar 2011]