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Theater Krefeld/Möchengladbach

Hedda Gabler

Ibsens Gesellschaftsdrama ist als eindrucksvolle Psychostudie angelegt

Als erste Schauspiel-Premiere im wiedereröffneten Theater seziert Pesel [...] präzise die Beziehungsgeflechte und Themenfelder wie Selbstsucht und Betrug in eindrucksvollen Bildern auf der großen, offen gestalteten Bühne. Vorgeführt werden fünf egozentrisch agierende Wohlstandsmenschen, die sich wie Marionetten in einer vom öffentlichen Sein und Schein durchdrungenen Privatsphäre bewegen. […] Prägnant gestaltet Esther Keil [Hedda Gabler] ihre Figur als zwiespältige, mondäne Femme fatale, zieht nicht nur die Männer auf der Bühne in ihren Bann. Christopher Wintgens überzeugt als ihr Mann Tesman – wankelmütig, harmlos, mitunter sogar tollpatschig. Adrian Linke mimt einen wunderbar aufbrausenden, labilen Eilert Lövborg, während Thomas Martin als personifizierter Stratege und kühler Zyniker weitere Akzente setzt.

[Westdeutsche Zeitung, Mönchengladbach, 11. Oktober 2011]

Das aussagekräftige Spiel der Akteure schlägt in Bann

Esther Keil füllt diese schwierige Rolle [Titelrolle] mit viel Glaubwürdigkeit aus – mit unbändigem Blick und spitzen Bemerkungen gibt sie die mondäne Generalstochter, die gern mit den Pistolen ihres verstorbenen Vaters hantiert, eine Hasardeurin des Schicksals der Anderen, denn selbst ist Hedda zu feige, um auf ein Leben in bürgerlicher Geborgenheit zu verzichten. Vor dem Reiz einer ungewissen Zukunft an der Seite eines Abenteurers und Dandys zuckt sie zurück. Diese Ich-Spaltung hat Jens Pesel der Titelrolle minutiös eingeschrieben. Siegfried E. Mayer hat die Bühne seitlich mit kühlen Wänden in Alabaster- und Jade-Anmutung begrenzt, doch die Tiefe ist mit Teilvorhängen und Zwischenwänden gestaffelt. Wie der Zugang ins Unbewusste der Handelnden. […] Immer stärker lässt Esther Keil uns die tiefe Verzweiflung dieser zerstörerischen, aber in ihrem intelligent eingefädelten Machtspiel auch faszinierenden Frau nachempfinden. […] Mit smartem, dabei gruselig deutlichem Mienenspiel und markanter Stimmfärbung rückt ihr Thomas Martin als kaltblütiger Strippenziehen Brack ebenbürtig zu Leibe. Das naive, aber tragfähige Lebenskonzept des scheinbar lächerlichen Tesman (Christopher Wintgens) mit dem Herzen auf dem rechten Fleck und der mitfühlenden, rotgelockten Thea Elvsted (Marianne Kittel), die des Wissenschaftlers Sinn für Ordnen und Sammeln teilt, bilden das Gegengewicht. Heddas Zerstörungswerk gelingt nur halb. Tesman und Thea finden sich zu künftigem Gemeinschaftswerk, wogegen Heddas Hassliebe auf Eilert Lövborg (Adrian Linke) mit dessen Tod gekrönt wird. […] Viel Beifall!

[Rheinische Post Mönchengladbach, 11. Oktober 2011]

Prachtvolle Vorstellung im Stadttheater

Im absolut stimmigen Bühnenbild und Kostümen von Siegfried E. Mayer und der behutsamen, psychologisch wunderbar aufgebauten Inszenierung von Jens Pesel, entstand dank der hervorragenden Schauspieler, bis hin zur Rolle des Dienstmädchens einfach wunderbar be-setzt, ein Drama, das die Besucher der Vorstellung zu atemlosen Zuschauern und Zuhörern machte. Die einfach fulminant intrigant, menschenverachtend und bösartig spielende Esther Keil erscheint […] eine optimale Besetzung dieser schwierigen Rolle. Ihr keinesfalls nach stand der Rest der Darsteller. Christopher Wintgens als ungeliebter Gatte, eigentlich nur [in] seinen Studien lebend, von der liebenden Stille bis zum dramatischen Aufbruch überzeugend. Thomas Martin als Amtsgerichtsrat Brack mit wunderbar differenziertem Spiel und mit vielen Farben der stimmlichen Ausdeutung einfach große Klasse, das gleiche Lob gilt für Adrian Linke als trocken gewordenem, dann in den Alkoholismus zurückfallenden Lövborg, Marianne Kittel als die ihm helfende, beschützende Thea Elvsted, herrlich fraulich hier herausgestellt als Gegensatz zur nur sich selbst liebenden Hedda Gabler. Selbst die beiden kleineren Rollen faszinierten, Helga Uthmann als berührende, fabelhaft sprechende Tante Juliane und Felicitas Breest als sehr präsentes Dienstmädchen. […]
Nach langanhaltendem Beifall […] [des] Publikums […] ging man, bewegt und nachdenklich, aus dem Theater. Nur zu empfehlen, ein Tipp an Jeden, der eine tolle Aufführung sehen und hören will, und an Schulen und Lehrer, diese Vorstellung zu besuchen.

[www.bz-mg.de, BürgerZeitung für Mönchengladbach, 11. Oktober 2011]

Brillantes Spiel

Regisseur Jens Pesel inszeniert Hedda Gabler als Drama der selbstbewussten Frau in einer männerbestimmten Welt. Esther Keil zeigt brillant die Widersprüche der Titelfigur. Auch der Rest des Ensembles nutzt die Gelegenheit zum klaren, präzisen Schauspielertheater.

[WDR5 Service Bühne, 11. Juli 2011]

Gelungene Premiere findet großen Beifall

Die Premieren-Vorstellung von Henrik Ibsens „Hedda Gabler“ fand im gut besuchten Krefelder Stadttheater großen Beifall. Bei ihrem ersten Auftritt erscheint Hedda Gabler, überzeugend dargestellt von Esther Keil, am oberen Ende einer Wendeltreppe und sieht auf ihren Ehemann herab. Deutliche Spiegelungen ihrer inneren Ablehnung und Überheblichkeit. Gatte Jörgen Tesman (Christopher Wintgens) hingegen stolpert mehr auf die Bühne, als sie zu betreten. Hinweis auf die Unsicherheit seiner Brautwahl. […] Regisseur Jens Pesel hält sich bei der Inszenierung dieses Dramas einer zerrissenen Seele […] eng an die literarische Vorlage Ibsens. Das Bühnenbild wirkt […] in seiner kühlen Sachlichkeit […] modern und bildet damit einen reizvollen Kontrapunkt zur Sprache. Insgesamt ist die Inszenierung gelungen und bietet dem Theaterpublikum in Krefeld einen spannenden wie auch amüsanten Abend.

[Extra-Tipp, Krefeld, 3. Juli 2011]

Packendes Spiel

Große Rolle für Esther Keil. In Jens Pesels Inszenierung des Ibsen-Dramas begeistert sie als Hedda Gabler […] Großer Applaus bei der Premiere.
Im Selbstmord der Titelheldin entlädt sich die Spannung, die sich über mehr als zwei Stunden aufbaut. Es knistert gewaltig, wenn Hedda ihre Fäden spinnt, wenn sie den abgelegten Liebhaber und dessen Verraute zu Figuren in ihrem Spiel machen will, um der Trostlosigkeit zu entkommen, die sie in der eigenen Versorgungs-Ehe fürchtet. Diese Frau geht einem nach. Ihre Rücksichtslosigkeit, die keinen Respekt kennt – weder vor dem Leben noch vor dem Tod – , wühlt auf. Denn in Jens Pesels Inszenenierung von Henrik Ibsens Schauspiels Hedda Gabler schimmert unter der eisigen Oberfläche auch die Verzweifkung einer Frau durch, die nicht aus ihrer Haut kann. Eine Frau, deren tiefes Unglück ist, dass andere sie nicht glücklich machen. […] Esther Keil ist eine beachtliche Hedda – und Mittelpunkt eines dichten Kammerspiels. […] Die von Ibsen mit psychologischer Tiefenschärfe angelegten Figuren sind für den Feinmechaniker Pesel dankbare Vorlage. Hier gilt nicht nur das gesprochene Wort, die Wahrheit zieht zwischen den Zeilen ihre Schlieren. Nichts ist greifbar, auch wenn es noch so präzise klingt. Wunden reißt es unter der Haut. […] Die Spitzendeckchen-Heimeligkeit Tesmans und seiner ihn umklammernden Tante fegt sie barsch weg. Sie ist verwöhnt, die blasierte Miene hält sie so makellos wie ihre seidenen Blusen. Tesman war die falsche Wahl – offensichtlich: ein Strickjackenträger, einer, der stottert, der um die Gunst seiner Frau bettelt, der nicht versteht, was sie umtreibt, und der mit anderen mitfühlt. Christopher Wintgens zeigt Zerrissenheit mit Feingefühl. Der Einzige, der Hedda durchschaut, ist der aalglatte Amtsge-richtsrat Brack (Thomas Martin). „Sie hat nie etwas berührt“, wirft er Hedda vor – und trifft ins Schwarze. Sie will Liebe, und glaubt, dies zeige sich darin, dass jemand etwas „Großes, Schönes“ für sie tut. Das soll ihr früherer Verehrer Eilert Lövborg (Adrian Linke) tun. Und wenn ihn schon ein Manuskript mit einer anderen Frau (Elvsted) verbindet wie ein Kind, dann muss dieses Kind zerstört werden – und Lövborg auch. Die Tragik des rückfälligen Trinkers steht in krassem Gegensatz zu der adretten Erscheinung der Elvsted (Marianne Kittel), die blond, nett und gutherzig zur Zielscheibe für Heddas fressenden Neid wird. Und die Zerstörung des Lebenswerks reicht nicht, auch Eilert soll „in Schönheit“ sterben, wünscht Hedda, und das heißt bei ihr mit einem Schuss in die Schläfe. Doch der „schöne Selbstmord“, für den sie sogar die Waffe liefert, ist ein blutiges Unglück – wieder empfindet Hedda, dass sie gescheitert ist. Esther Keil lässt immer wieder die Fassade der Arroganz wackeln, um sie in Sekundenschnelle wieder saniert vorzuzeigen. Als die Frau, die Schwäche verabscheut, weil sie selbst nicht stark ist, hat viele Facetten, die Keil beeindruckend zeigt. Als nach Heddas Schuss der große Kulissenvorhang schräg zu Boden rauscht – braucht das Publikum einen Moment zum Luftholen, bevor großer Applaus aufbrandet.

[Rheinische Post, Krefeld, 27. Juni 2011]

Effektvolle und präzise Inszenierung

Effektvoll und präzise inszeniert Jens Pesel die Tragödie seiner eiskalten Heldin.
In der Premiere von Henrik Ibsens „Hedda Gabler“ am Stadttheater ist der Selbstmord der Titelheldin als effektvolle Inszenierung zu erleben, der Tod als letzte destruktive Konsequenz eines Lebens, das aus Langeweile und einer großen inneren Leere bestand. Auch 120 Jahre nach der Uraufführung des Stücks ist Hedda ein zutiefst rätselhafter Charakter geblieben. […] Präzise wie ein Uhrwerk läuft das Stück in meist kammerspielartigem Ton ab. Blicke und kleine Gesten spielen eine wichtige Rolle […]. Esther Keil hat starke Momente […]. Christopher Wintgens […] vermittelt […] glaubhaft den enormen Druck, unter dem der Mann steht. Insgesamt agieren die Schauspieler differenziert.

[Westdeutsche Zeitung, Krefeld, 27. Juni 2011]