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Der Untergang des Hauses Usher

(The Fall of the House of Usher)
Treppen, die ins Nichts führen

Im Theater auf Zeit feierte jetzt die Oper "Der Untergang des Hauses Usher" umjubelte Premiere.
Christian Tombeil, noch stellvertretender Intendant in Krefeld und Mönchengladbach, aber bereits designierter Schauspielchef in Essen, hat das so fein gezeichnete wie kraftvolle Werk von Philip Glass, einem herausragenden Vertreter der Minimal Music, psychologisch scharfsinnig und ambivalent inszeniert. Die Geschichte stammt von Edgar Allan Poe. In Krefeld erlebt man eine unpathetische, aber höchst emotionale Inszenierung, die in den Abgrund einer Dreiecksbeziehung blickt oder auch nur die Seelenqual einer Person schildert - das bleibt offen. [...] Die gelungene Bühne von Andreas Jander schachtelt mehrere Räume ineinander. Sie ist Labyrinth ins Nichts ragender Treppen, Friedhof und Kirchenruine. [...] Dirigent Kenneth Duryea und einem zwölfköpfigen Kammerensemble der Niederrheinischen Sinfoniker gelingt eine rhythmisch präzise und stets transparente Interpretation der Musik von Glass.
[Westdeutsche Zeitung, 11. Mai 2009]

Tür an Tür mit dem Grauen

Orte ohne Ausweg: Leos Janaceks Oper "Aus einem Totenhaus" hatte in Düsseldorf Premiere, Philip Glass′ "Untergang des Hauses Usher" kam in Krefeld heraus. Beide Abende fanden großen Zuspruch des Publikums.
[...]In Krefeld wird das Totenhaus der Geschwister Usher von keinem bewacht und gepflegt, es verfällt still und kommentarlos, Treppen steigen ins Nichts, Türen fehlen die Zargen, Wände bröseln, Nebel flutet durch die Räume, und die Koteletten der Diener sahen schon Jahre keinen Barbier. Hier regiert nicht nur das verwachsene Gestern, sondern auch das nervöse Grauen, sagt uns Regisseur Christian Tombeil. Er öffnet mit leisem Hokuspokus die gute alte Theatersymboltruhe.
Alles sieht angemessen morbide aus und - was im TaZ eine Leistung ist - nach Illusion. Damit sich das Grauen jedem vermittelt, schlottert indes Ushers Freund William (Michael Kupfer) fortgesetzt am Körper, was dem Entsetzen ein Gefäß gibt, aber keinen Raum. Die Verschmelzung von Realität, Trick und Aberwitz gelingt eher durch die (ins Stück erfundene) Tänzer-Doubles für Roderick und Madeline (Choreografie: Robert North), die das Unbewusste und das Versponnene, das Irrlichternde und Ahnungsvolle glänzend in eine Art freudianische Gymnastik übersetzen.
Das Kreuz mit Philip Glass′ Partituren: Ihr Tranquilizer-Spiraleffekt bedarf hochwacher Musiker. Wer eine Schleife verpennt, vermasselt alles. Die Solisten der Niederrheinischen Sinfoniker spielten so meisterlich, als kämen sie aus einer Newe Yorker Factory. Nun, von dort kommt der Dirigent Kenneth Duryea. Er hat vermutlich gesagt: immer zählen und auch bei der 178. Wiederholung nicht verzweifeln. Jubel ohne Ermüdung.
[Rheinische Post, 11.Mai 2009]

Tombeil führte [...] Regie in einer in jeder Hinsicht ausgefeilten und hochwertigen Aufführung von Philipp Glass′ Oper „Der Untergang des Hauses Usher“ [...].
Tombeil inszeniert den Niedergang der alteingesessenen Familie, von der nur noch das letzte Geschwisterpaar im verfallenen Landsitz haust, als streng choreografierten Totentanz in einer bizarren Trümmerlandschaft mit Treppenaufgängen, die ins Nichts führen (Bühne: Andreas Jander). [...]
Tombeil [...] stellt in der Personenführung die künstlich-seelenlose Aura des Werks, ganz der Musik entsprechend, in den Vordergrund.
Musiziert wird [...] vorzüglich. Kenneth Duryea kitzelt mit seinem kleinen Orchester so viel Atmosphäre und sogar emotionale Farben aus der Musik, wie sie nur hergibt. Die männlichen Hauptrollen sind mit frischen, kerngesunden Stimmen besetzt, und zwar mit dem exzellenten Bariton Michael Kupfer als William und dem ebenbürtigen Tenor Johannes Preißinger als Roderick. Auf gleichem Niveau agiert Isabelle Razawi mit ihrem mühelos geführten Sopran als Madeline Usher. Punktgenau besetzt sind auch Christoph Erpenbeck als Diener und Markus Heinrich als Arzt.
Viel Beifall für einen interessanten und kurzweiligen Opernabend.
[Gießener Allgemeine, 16. Mai 2009]

Grandioser Opern-Abend!

Christian Tombeil inszeniert geheimnisvoll-ambivalent eine abgründige Geschichte um existenzielle Ängste und psychotische Aggressionen – nimmt das Vexierbild der Bühne auf, lässt den Darstellern Zeit und Raum für ihre unbegriffenen Psychosen, entwickelt ein kommunikativ hoch spannendes Spiel zwischen Realität und Imagination.
Kenneth Duryea [...] leitet mit sensiblem Dirigat die präzis aufspielenden Niederrheinischen Sinfoniker zu atemraubendem Spiel: perfekt in den Nuancen, ausdrucksstark in den minimalen Variationen!
Michael Kupfer interpretiert den (Pseudo-)Beobachter William mit dramatischer Attitüde; Johannes Preißinger verleiht dem zwiespältigen Roderick hintergründige Dämonie; Isabelle Razawi fasziniert mit wortlosen Tonbögen mit geradezu halsbrecherischen Variationen in extremsten Tonlagen; Christoph Erpenbeck mit sonorer Grundierung und Markus Heinrich geben kommentierend-wissenden Diener und Arzt. Das Krefelder Ensemble ist in höchster Rollen-Intensität zu erleben!
[...] Geradezu euphorische Zustimmung zu einem grandiosen Opern-Abend!
[www.opernnetz.de, 13. Mai 2009]

Der Untergang des Hauses Usher

Ein wirklich geeignetes, spannendes Werk für eine Umbauspielzeit ist Philip Glass´Kammeroper "Der Untergang des Hauses Usher" Christian Tombeils Inszenierung bebildert das eineinhalbstündige Werk sinnstiftend, wenngleich die größte Faszination von Andreas Janders phantasievollem Bühnenbild mit seiner wirklich magischen Beleuchtung ausgeht. Gabriele Wasmuths Kostüme, vor allem für die gespenstische Madeline Usher, eine echte Augenweide.
Michael Kupfer gefällt mit sehr männlichem, etwas angerauhtem Bariton als Jugendfreund William des unseligen Roderick Usher, der von Heiko Börners Tenor durchaus eine leicht heldische Note erhält. Die lebend begrabene Schwester, Madeline Usher, hat "nur" Vokalisen schwierigster Art auf den Vokal "a" zu singen, Isabelle Razawi absolviert den Part mit großer Bewunderung abringender Konzentration und Wohlklang. Christoph Erpenbeck und Markus Heinrich geben ihre Nebenrollen ebenfalls mit großer Akkuratesse.
[DER OPERNFREUND]