Schräge Rollen gemeistert
Welch ein phantastischer Auftakt in die neue Spielzeit, die jetzt unter der Leitung des neuen Generalintendanten Michael Grosse steht: Mit der Oper von Sergej Prokofjew „Die Liebe zu den drei Orangen“ gelang in der großartigen Inszenierung von Ansgar Weigner eine der besten Aufführunge der letzten Zeit. Die fantasievolle Märchenoper des russischen Komponisten, die im Jahre 1921 in Chicago uraufgeführt wurde, wurde mit so viel pfiffigen Ideen, enormer Rasanz und viel Temperament auf die Bühne gebracht, dass das Premierenpublikum am Ende restlos begeistert war und das gesamte Ensemble mit vielen „Vorhängen“ belohnte. (...) Die ins Ohr gehende dramatische Musik Prokofjews, ein sehenswertes Bühnenbild und tolle Kostüme von Robert Schrag, dazu die glänzend aufgelegten Niederrheinischen Sinfoniker unter der Stabführung von Generalmusikdirektor Graham Jackson, der den Vereinigten Städtischen Bühnen nun doch noch ein weiteres Jahr erhalten bleibt, und ein auf 64 Köpfe verstärkter Chor, Extrachor und Projektchor des niederrheinischen Fusionstheaters, dazu eine gut mitspielende Statisterie – das alles zusammen mit bewährten Solisten und neuen Kräften der jetzt begonnenen Spielzeit bescherte einen unvergesslichen Theaterabend.
Ansgar Weigner ist es gelungen, die verschachtelte märchenhafte Handlung mit vielen kreativen Überraschungen auszustatten, die den Zuschauer und Zuhörer zu keiner Phase aus dem Bann lassen. Eine Sparversion ist diese Opernaufführung nicht, im Gegenteil: Sie ist opulent besetzt und ausgestattet. (...) Wen soll manloben aus einem homogene Ensemble: Natürlich ragt Daniel Kirch (Grosse: „Eine Ehre für uns, dass er hier mitspielt!“) als jammervoller Prinz, der am Ende doch noch seine Erfüllung und große Liebe findet, ebenso heraus wie der junge Bassist Matthias Wippich, der nicht nur den bedauernswerten König Treff, sondern auch die schräge Rolle der grässlichen Köchin auf dem Schloss Kreonta nicht nur mit viel Stimme, sondern auch einem besonderen Talent zur Komik gestaltet. (...)
[Grenzland-Nachrichten, Nettetal, 07.10.2010]
Exemplarische Inszenierung im musikalischen Prokofjew-Himmel
(...) Deswegen fange ich gleich mit dem Top-Star des in Krefeld überragend und fantastisch in Szene gesetzten Abends an, nämlich GMD Graham Jackson. (...) Was aus dem Orchestergraben dringt, ist furios. Prokofjews geniale Musik findet hier ihren genialen Musikverwalter. (...) Nix Provinz, das ist internationale Spitzenklasse!
Das Stück benötigt fast alle Sänger des, wie stets, äußerst kompetenten Ensembles, die nicht nur bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit singen, sondern auch agieren müssen. (...) Was für eine Inszenierung von Ansgar Weigner. Endlich einmal kompetente Regie, die mit Massen umgehen kann; dabei kommt ihr natürlich die riesige Bühne des Krefelder Hauses lauf- und gestaltungsmäßig sehr zugute.
Robert Schrag (Bühne & Kostüme) gelingt ein Zauberkasten unendlicher Vielfalt, als wären wir in einem Film von Tim Burton gelandet. Farbenfrohe Kartenmotive aller Orten, und die Einheitsbühne mit vorgezogener Spielebene erscheint durch die wunderbar, fast choreografisch beweglichen Zusatzelemente von Kartenhäusern der vielfältigsten Art wie ein bezauberndes Alice-im-Wunderland-Universum. Was für eine kühne Farbenpracht und Lichtregie. Die Bühnentechnik arbeitet brillant wie aus einem Zauberkasten. (...) Am Ende noch Lob und Anerkennung für die blendende Choreinstudierung von Maria Benyumova & Heinz Klaus. (...)
[Der Opernfreund, 03.10.2010]
Ein geglücktes Experiment
(...) Der junge Regisseur Ansgar Weigner hat das Stück mit wunderbar leichter Hand inszeniert und zewigt dabei stets ein Gespür für die richtige Balance. Nie lässt er die holzschnittartigen Charaktere zu übverzeichnet agieren, dafür aber mit viel Humor und spritzigem Tempo.
Robert Schrag hat dazu wunderschöne Kostüme und einen der Spielkartenwelt entlehnten Raum entworfen, der sehr ausgewogen märchenhafte und schräge Züge trägt. Darin agiert der auf 60 Personen aufgestockte Chor mit einer Spielfreude, wie man sie lange nicht gesehen hat, und ist auch unter seiner neuen Direktorin Maria Benyumova musikalisch glänzend aufgestellt.
Stimmlich und darstellerisch nicht weniger eindrucksvoll ist das Sängerensemble. Allen voran Daniel Kirch, der den Prinzen herrlich naiv als ewiges Kind spielt. Matthias Wippich glänzt in der Doppelrolle als König und als liebeshungrige Köchin in wunderbar schrägem Outfit. (...)
Das herausragende Spiel der Niederrheinischen Sinfoniker unter der Leitung ihres Generalmusikdirektors Graham Jackson rundet den vom Publikum umjubelten Abend ab. (...)
[Westdeutsche Zeitung, 04.10.2010]
Viel Wirbel auf der Bühne, überbordende Spiellaune
(...) Ansgar Weigner und sein Ausstatter Robert Schrag entfalten ein temporeiches Spiel mit schnellen Szenenwechseln, ohne jedoch in sinnfreie Hektik zu verfallen. (...) Die ganze Bühne bietet ständig Hingucker, überall ist etwas los, und trotzdem kommt kein Gefühl von Überraschung auf...
Das Ensemble der Bühne Krefeld/ Mönchengladbach meistert die hohen und personalintensiven Anforderungen perfekt. Das gilt besonders auch für den erweiterten Chor (Maria Benyumova und Heinz Klaus), der mit viel Freude und Engagement zu Werke ging. (...)
Das Sahnehäubchen dieses Theaterabends aber sind ganz ohne Zweifel die Niederrheinischen Sinfoniker unter Graham Jackson. Dem Wirbel auf der Bühne setzen sie die Krone auf. Mit überbordender Spiellaune stürzen sie sich in den Strudel der Partitur, generieren lustvollen Budenzauber und leise Liebeslyrik - das ist allererste Sahne. (...)
[www.opernnetz.de - Zeitschrift für Musiktheater und Oper, 04.10.2010]
Prokofieff-Oper in Krefeld bejubelt
(...) Ein Märchen mit grotesken Schüben und fröhlichem End′ sieht man immer gern. In Ansgar Weigners Krefelder Inszenierung gefielen vor allem die surrealen Details wie der rapide Wuchs der Orangen oder die Umgarnung der fetten Köchin. (...) Graham Jackson am Pult der höchst akzeptabeln Niederrheinischen Sinfoniker eilte zu Recht nicht im Parforcetempo durch die virtuose Partitur, sondern lauschte Prokofieffs Kunstfertigkeiten nach. Die Koordination zwischen Bühne und Graben gelang insgesamt gut. Aus dem soliden Ensemble stachen Daniel Kirch (heldischer Prinz) Markus Heinrich (quicker Truffaldino), Isabelle Razawi (bestrickende Ninetta), Eva Maria Günschmann (schurkische Clarissa) und Janet Bartolova (majestätische Fata Morgana) heraus. (...)
[Rheinische Post, 04.10.2010]
Zu der beeindruckenden Aufführung der so schwer zu realisierenden Märchenoper „Die Liebe zu den drei Orangen“ von Sergej Prokofjew kann man dem Krefelder Theater gratulieren, denn kaum sind irgendwelche Wünsche sowohl auf dem darstellerischen als auch auf der musikalischen Ebene offengeblieben. In einer brillanten Inszenierung von Ansgar Weigner waren die intensiv wirkenden, zauberhaften Bühnenbilder von Robert Schrag, der auch einfallsreich die Kostüme entworfen hatte, farblich hervorragend aufeinander abgestimmt (…). Sie bildeten den faszinierenden Rahmen für eine irrationale Märchenwelt. (…)
Die Niederrheinischen Sinfoniker unter der einfühlsamen, äußerst präzisen Stabführung von Graham Jackson beherrschten [Prokofjews] facettenreiche Instrumentation und den untermalenden zarten oder dramatisch originellen, in jedem Fall sehr anspruchsvollen Orchestersatz bestens. Das große Aufgebot der Protagonisten, die mit Ausnahme von Daniel Kirch (Prinz) sich alle aus dem hauseigenen Ensemble rekrutierten, wurde angeführt von König Treff. Matthias Wippich gab nicht nur dieser Partie profundes Profil, sondern brillierte vor allem mit umwerfender Komik als dickwanstige Köchin Kreonta.
Der Prinz muss viele Abenteuer bestehen, bis er Prinzessin Ninetta aus der Orange befreien und sie als Braut auf seinen Thron platzieren kann. Daniel Kirch verstand es, die klagenden Wehlaute des hypochondrischen Königssohnes hervorragend mit schwebenden, langen Vokalisen zu verdeutlichen. (…)
Sein Weggefährte Truffaldino, gesungen von Markus Heinrich, war ein echt pfiffiger, liebenswerter Spaßmacher, der mit drolligem Ulk versuchte, seinen trübsinnigen Prinzen aufzuheitern. Hayn Dèinyan gestaltete den Zauberer Tschelio mit sicher geführtem, profundem Bass. Ausdrucksstarkes Spiel und saubere, intensive Tongebung zeichneten Christoph Erpenbeck und Eva Maria Günschmann als Minister Leander und Prinzessin Clarissa, die intriganten Bösewichter, aus. Zu ihrem Komplott gehörten die Fata Morgana der Janet Bartolova, deren etwas unruhiger, leicht spröder Sopran hervorragend der Hexenpartie entsprach, und die Sklavin Smeraldine, die von Susanne Seefing vortrefflich dargestellt wurde. Alle weiteren mittleren Partien der Höflinge Pantalon (Michael Kupfer) und Prinzession Ninetta (Isabelle Razawi), sowie die zahlreichen kleinen Nebenrollen waren hervorragend besetzt.
Der durch den Extrachor und den Projektchor der Vereinigten Städtischen Bühnen verstärkte Chor war in vier Gruppen geteilt (…). Diese unterschiedlich besetzten Ensembles waren durch sich unterscheidende Kostüme erkennbar. Sie kommentieren mit lebhaften Gesten bis hin zur geistreichen Clownerie das Geschehen, griffen zuweilen auch wild gestikulierend in die Handlung ein, wie eins im antiken griechischen Theater. Alles war perfekt von Maria Benyumova und Heinz Klaus choreografiert. Ein fesselndes Theatererlebnis.
[Das Opernglas, Dezember 2010]
Ein Streit, ein Prinz und drei Orangen
„Welch ein Theater“, sagt jemand auf der Bühne. (…) Ein musikalisches Märchen vom verfluchten Prinzen, mit fantastischen Wesen, bösen Zauberern, Intrigen und der Liebe zu den drei Orangen beginnt. (…) Am eigenständigsten agiert der Chor. Dessen Mitglieder tragen das vom Regisseur spritzig und leicht inszenierte Spiel entscheidend mit. Gemeinsam mit Bühnenbildner Robert Schrag hat Regisseur Ansgar Weigner die märchenhafte Groteske aus königlichem Hofstaat und Zauberwelt als ein farbenprächtiges Kartenspiel gestaltet. Dazu überzeugten die Sänger in fantasievollen Kostümen auf der Bühne. Das honorierte das Publikum mit langem Applaus, der auch dem großartigen Spiel der Niederrheinischen Sinfoniker unter der Leitung ihres Generalmusikdirektors Graham Jackson galt.
[Westdeutsche Zeitung Mönchengladbach, 20.03.2012]
Im Märchenreich der Spielkarten
Mit einer farbenfrohen, phantasievollen Ausstattung besticht Ansgar Weigners Inszenierung (…). Die 90 Jahre alte Musik wirkt unter Graham Jacksons Leitung fruchtig-frisch. (…)
Bevor das märchenhafte, turbulent und lebhaft von Ansgar Weigner eingerichtete Spiel seinen Lauf nimmt, erleben wir eine heftige Auseinandersetzung: Aus vorderen Parkettreihen rufen die Anhänger verschiedener Schulen der Theaterästhetik ihre Parolen. (…) Von alldem unbeschwert, darf Robert Schrag bei den witzigen Kostümen und liebevoll-kreativ entworfenen Spielkarten-Requisiten alle Register der Commedia dell’arte ziehen. Das Regie-Duo verführt das Auge durch ständig bewegtes Treiben auf der Märchenbühne, das in zweieinhalb Stunden nie Langeweile aufkommen lässt. So sorgt der Auftritt der voluminösen Köchin, Matthias Wippich zwischen brutaler Handfestigkeit und kindlichem Begehren angelegt, für Ahs und Ohs. (…) Markus Heinrich nimmt durch sein komisches Talent ein. Solide vertreten Dara Hobbs (Sopran) als böse Zauberin Fata Morgana und ihre Entourage Clarissa (Eva Maria Günschmann) und Leander (Andrew Nolen) auch stimmfarblich die böse Seite. (…) Besonderes Lob gebührt Igor Gavrilov für seine auch mimisch faszinierende Partie des Teufels Farfarello. – Das Premierenpublikum dankte für die amüsante Unterhaltung mit kräftigem Beifall.
[Rheinisch Post Mönchengaldbach, 20.03.2012]
Traumfrauen entsteigen den Apfelsinen
Ein herrlicher, kunterbunter Bühnenspaß im Theater Mönchengladbach
Eine kindliche Freude an einer Oper haben, geht denn das? Klar! (…) Auf der Bühne geht’s in frecher Commedia dell’arte-Manier putzmunter, frivol und hintersinnig zu. (…) Aus dem Graben tönen dazu wunderbar delikate Musiken (…). Ganz viele sind ironisch-witzig instrumentiert, wozu die vielen Sänger-Solisten schön parlieren dürfen. (…) Grandios komisch ist die üppig kurvige Köchin, unter deren Ganzkörper-Schlabber-Fett sich der Sänger des Königs Treff versteckt – der Bass Matthias Wippich. Der selbst führt die solide, überaus spielfreudige Sänger-Riege an (…). Gast-Tenor Johan Weigel als Prinz ist klein aber oho (…). Wunderbar dramatisch als Fata Morgana singt die Sopranistin Dara Hobbs; süß-hässlich gibt Susanne Seefing ihre Verbündete Smeraldine. Viele weitere der Solopartien packen, unter denen Hayk Dèinyan den Zauberer Tschelio herrlich ungeschickt angelegt. Die Inszenierung lebt vom rasanten Tempo, dem Witz der Vorlage und ihrer amüsanten Umsetzung. Solisten und Chor liefern eine blitzsaubere Ensembleleistung ab. So macht Oper Spaß.
[Aachener Zeitung, 20.03.2012]