Die Bühne aus dem Koffer
Reinhardt Friese erzählt die Geschichte des legendären Berliner Vokalensembles „Comedian Harmonists“ in ideenreichen Szenen. Und die fünf Gesangssolisten machen die Qualität der historischen A-capella-Gruppe authentisch nachvollziehbar. Das Premierenpublikum jubelte.
Zu einem rauschenden Erfolg wurde die Premiere „Comedian Harmonists“ im TiN. Die Bühnenfassung von Gottfried Greiffenhagen, musikalisch eingerichtet von Franz Wittenbrink, wurde in der Inszenierung von Reinhardt Friese überzeugend umgesetzt. Das größte Kompliment haben zweifellos die Darsteller verdient. Philip van Buren als Pianist Erwin Bootz, Frank Valentin als Ari Leschnikoff, Tobias Scharfenberger als Erich Collin, Christoph Erpenbeck als Harry Frommermann, Markus Heinrich als Roman Cykowski und Hayk Dčinyan als Robert Biberti hatten mit der Einstudierung der äußerst kompliziert arrangierten Lieder ganze Arbeit geleistet. Die gesanglichen Leistungen und Philip van Burens akribische Einstudierung verdienen höchste Anerkennung.
Das Bühnenbild (Annette Mahlendorf), das auf eine realistische Umsetzung der über 40 Schauplätze verzichtete, deutete mit einem von Latten umzäunten Raum eben die Bretter an, die für das Ensemble für weniger als ein Jahrzehnt die Welt bedeuteten. Ein kluger Regieeinfall war die Ansammlung von Koffern, die sowohl das erfolgreiche Tourneeleben als auch das Leid der Emigration symbolisierten. Abweichend vom Libretto wurden die Partnerrollen nicht im permanenten Wechsel von einem Schauspieler übernommen, sondern kamen, von Mitgliedern des Schauspielensembles auf Band gesprochen, gleichsam aus den aufgeklappten Koffern. Frenetischer Beifall für die gute Aufführung, vor allem für die hervorragenden Gesangsleistungen, führte zu drei Zugaben, darunter die pfiffig vorgetragenen Titel von der Bar zum Krokodil und der schönen Isabella aus Kastilien, die besonders durch die perfekte Choreografie begeisterte.
[Rheinische Post, 20.4.2010]
Ovationen für Krefelder Harmonists
Reinhardt Friese hat das Leben der Comedian Harmonists höchst unterhaltsam in Szene gesetzt. Fünf Opernsänger und ein Kapellmeister begeistern nicht nur mit großer Musikalität und flotten Gassenhauern, sondern auch mit leisen Tönen und Darstellung. Das Publikum erklatschte fünf Zugaben.
Am Anfang ist Tonsalat. Die Stimmen klingen so schräg wie in den Castings bei Bohlen und Co. Es ist eben eine diffizile Angelegenheit, eine Boyband zusammenzustellen. Aber Harry Frommermann hat ein eisernes Rezept: Gute Stimme, täglich vier Stunden proben und kein Gehalt – für ein Jahr. Ja, er findet letztlich Mitstreiter, die den Traum von der Karriere teilen. Und als Comedian Harmonists werden sie die Welt erobern.
Bei der Premiere in Krefeld eroberten sie das Krefelder Publikum im Sturm: Frank Valentin als Ari Leschnikoff, Markus Heinrich als Roman Cycowski, Tobias Scharfenberger als Erich Abraham Collin, Christoph Erpenbeck als Harry Frommermann, Hayk Dčinyan als Robert Biberti und Philip van Buren als Pianist Erwin Bootz spielen die Geschichte des Sextetts mit großem Charme. Und sie singen die Ohrwürmer mit den witzigen Texten, zwischen deren Zeilen so herrlich wortgewitzte Gesellschaftskritik aufblitzt, ganz wunderbar.
Es war eine kluge Entscheidung, Gottfried Greiffenhagens Schauspiel, das Franz Wittenbrink musikalisch eingerichtet hat, den Opernsängern anzuvertrauen. Mit großen Stimmen und sichtlicher Freude am Spiel verleihen sie ihren Charakteren Farbe. Regisseur Reinhardt Friese hat sie dabei an der langen Leine geführt. Valentin gibt die leicht einfältige stimmliche Solo-Geige und darf von der Tenor- bis in die Altus-Lage seine Bandbreite auskosten. Heinrich hat die Rolle des Ambitionierten, der seine Stimme ständig aussingen will und sich doch gekonnt ins Ensemble fügt. Dčinyan glänzt mit erdigem Bass und Scharfenberger mit burschikoser Attitüde. Erpenbeck bekommt nicht nur für seinen Gesang Beifall, sondern begeistert auch, wenn er die Jazztrompete imitiert. Und Kapellmeister Philip van Buren ist nicht nur am Klavier eine starke Stütze, er ist auch schauspielerisch ein vollwertiges Bühnenmitglied.
Fast 30 virtuos arrangierte Hits haben die Sänger parat – vom kleinen grünen Kaktus und der Bar zum Krokodil bis zu „Auf Wiedersehen“ und „In einem kühlen Grunde“. Denn auch die melancholischen Töne werden nicht ausgespart.
(…) Friese hat sich bewusst auf die starken Sänger konzentriert. Dass Berliner Lokalkolorit, vom Autoverkehr über den Zeitungsrufer bis zum Varietéchef per Tonband eingeblendet werden, ist Futter für die Fantasie. So wie Annette Mahlendorfs kluges Bühnenbild, bei dem der rote Samtvorhang zur Kulisse wird. Dahinter verbirgt sich ein trichterförmiger Raum aus Holzlatten, der die „Bretter, die die Welt bedeuten“ ebenso andeutet wie die zugige Mansarde, in der die mittellosen Künstler proben. In Koffern verstecken sich Requisiten, die immer dann gezückt werden, wenn sich Ortswechsel ankündigen.
Das begeisterte Premierenpublikum war erst nach der fünften Zugabe zufrieden.
[Rheinische Post Krefeld, 23. Oktober 2010]
Der Lenz ist da
„Comedian Harmonists“ begeistern
Die Vereinigten Städtischen Bühnen haben tolle Sänger. Das haben sie bei der Premiere der „Comedian Harmonists“ im kleinen Saal des TiN eindrucksvoll unter Beweis gestellt und wurden dafür vom Publikum mit frenetischem Beifall gefeiert.
In den Rollen der Sänger glänzten Frank Valentin, Markus Heinrich, Christoph Erpenbeck, der Gast Tobias Scharfenberger und Hayk Dčinyan. Der Pianist Erwin Bootz wurde von Philip van Buren verkörpert, der auch die musikalische Leitung inne hatte. Im Mittelpunkt von Reinhardt Frieses Inszenierung stand die musikalische Leistung des Quintetts, das Ende der 20er Jahre als a capella Gruppe steile Karriere machte.
Wieviel Arbeit und Ausdauer das erforderte, stand im Fokus des ersten Teils, in dem es auch um die anfänglichen Querelen innerhalb des Ensembles geht. Im zweiten Teil steht zunächst der Erfolg des Quintetts im Vordergrund, das auch Einladungen in Konzertsäle erhielt, die eigentlich der Klassik vorbehalten waren. Schließlich zerbricht das Ensemble an der Gleichschaltung und Arisierung der Kultur durch die Nazis.
Die Aufführung erschöpft sich dabei in der Aneinanderreihung wunderbarer Musikstücke, wie „Veronika, der Lenz ist da“ und „Mein kleiner grüner Kaktus“, und beglückt das Publikum mit einem tollen Musikgenuss von hohem Erinnerungswert.
(Westdeutsche Zeitung, 20.4.2010)
„Veronika, der Lenz ist da“
„Comedian Harmonists“ in Mönchengladbach bis Sommer ausverkauft
Regisseur Reinhardt Friese beschränkt sich in der Mönchengladbacher Inszenierung der „Comedian Harmonists“ nicht nur auf eine rein historisch-dokumentarische Nacherzählung der Bandgeschichte, sondern geht auch auf die zunehmenden Konflikte innerhalb der Gruppe ein. Da eine realistische Umsetzung der über 40 Schauplätze kaum machbar ist und außerdem zu stark vom Kern der Inszenierung ablenkt, bilden Koffer neben einem Gerüst von „Brettern, die die Welt bedeuten“ das von Annette Mahlendorf entwickelte Bühnenbild. Durch das Öffnen der Koffer und die darin enthaltenen Panoramabilder und Requisiten können sich die Akteure jederzeit einen neuen Schauplatz erspielen.
Ansonsten eher solistisch eingesetzt, wurde vor allem von den fünf Sängern hier homogener Ensemblegesang gefordert. Dies ist nicht zuletzt dank der akribischen Einstudierung durch den Pianisten und musikalischen Leiter Philip van Buren vollauf gelungen. Ähnlich wie ihre Vorbilder meistern die Darsteller manch musikalische Hürde mit scheinbarer Leichtigkeit, während sie sogar noch kleine choreographische Schmankerl mit einbauen können.
Nicht nur die Lieder klingen beim Verlassen des Theaters noch lange nach. Die Mönchengladbacher Inszenierung ist es darüber hinaus gelungen, die musikalisch-beschwingte Unterhaltung mit einem dunklen Stück Zeitgeschichte unverkrampft, aber dennoch eindrucksvoll zu verbinden.
[Da Capo, Mai 2010]
Die Comedian Harmonists feiern „Wiedergeburt“ in Krefeld
Nachdem das Musical „Die Comedian Harmonists“ von Gottfried Greiffenhagen und Franz Wittenbrink bereits in der letzten Spielzeit des Gemeinschaftstheaters Krefeld/ Mönchengladbach große Erfolge in Mönchengladbach feiern konnte, fand am 21. Oktober 2010 die Premiere des Stückes im ausverkauften Theater Krefeld statt. Hierbei erlebten die Zuschauer in rund 2 ½ Stunden (inklusive der am Ende geforderten vier Zugaben) die Geschichte von Deutschlands wahrscheinlich erster „Boy Band“. Was heute über eine Casting-Show im Fernsehen laufen muss, erfolgte damals noch über eine simple Zeitungsanzeige durch die der Sänger Harry Frommermann gleichgesinnte Musiker suchte, um ein erfolgreiches Gesangensemble zu gründen.
(…) Hierbei gelingt der Regie (Reinhardt Friese) und der Bühne (Annette Mahlendorf) eine sehr gute Umsetzung, indem sie die Bühne des Theaters Krefeld einfach als reine Bühne mit rotem Vorhang verwenden und sich der Zuschauer in die Lage des damaligen Publikums in Berlin oder Leipzig versetzen kann. Ein zweites zentrales Bühnenbild ist das Probenzimmer der Comedian Harmonists, in dem weite Teile der Handlung spielen. Im zweiten Akt ziehen durch die Machtübernahme der Nazis allerdings dunkle Wolken für die Gesangsgruppe aus drei jüdischen und drei arischen Künstlern auf, was - wie allseits bekannt - schlußendlich sogar zur Auflösung der Formation im Jahr 1935 führt. Auch hier gelingt es der Regie erneut sehr gut, durch die Ansagen der Nazis, die, wie alle Texte von Menschen abseits der sechs Hauptdarsteller, vom Band eingespielt werden, eine bedrückende Stimmung zu erzeugen. Auch der immer enger werdende Raum für Auftritte der Comedian Harmonists durch die sich von der Seite langsam aber stetig schließende Bühne wird nachdrücklich in Szene gesetzt.
Das größte Lob gebührt aber den fünf Interpreten Frank Valentin, Markus Heinrich, Tobias Scharfenberger, Christoph Erpenbeck und Hayk Dčinyan sowie dem Pianisten (und musikalischen Leiter des Stücks) Philip van Buren. Hier kann sich das Theater glücklich schätzen, eine stimmlich so homogene Gruppe zur Verfügung zu haben, bei denen nicht nur alle Töne wunderbar sitzen, sondern bei denen echtes Comedian Harmonists Feeling auftritt. So ist es auch verständlich, dass das Publikum nach „Mein kleiner grüner Kaktus“, „Veronika der Lenz ist da“ oder „Ein Freund, ein guter Freund“ laut und gerne Beifall spendet. Beispielhaft erwähnt seien zudem die wunderbar umgesetzten Stücke „Ich hab für dich nen Blumentopf bestellt“ und „Der Onkel Bumba aus Kalumba“. Neben den gesanglichen Qualitäten gelingt es den sechs Darstellern zudem, immer wieder schauspielerisch zu glänzen und an der richtigen Stelle einen kleinen Lacher zu platzieren.
Mit „Die Comedian Harmonists“ zeigt das Stadttheater Krefeld, dass man auch mit einer kleinen, aber exzellenten Besetzung und einer guten Regieleistung einen sehr unterhaltsamen Theaterabend gestalten kann.
[www.musical-total.com, 23. Oktober 2010]
Zauber und Grenze der Musik
(…) Mehr noch, als die Geschichte der legendären Gruppe zu erzählen, lotet die Krefelder Inszenierung die Möglichkeiten und Grenzen der Musik aus. Ihren Schein, aber vor allem ihren Zauber. Und diesem erliegt das Krefelder Publikum zur Gänze - und zwar zu Recht. Christoph Erpenbeck, Markus Heinrich, Tobias Scharfenberger, Hayk Dčinyan und Frank Valentin zaubern auf der Bühne gesanglich und schauspielerisch bestes Varietétheater im Stil der 20er Jahre, stets versehen mit einer guten Prise Selbstironie. Bekannte Lieder wie „Veronika, der Lenz ist da...“ oder „Mein kleiner grüner Kaktus“ feiern eine solche furiose Auferstehung, dass es die Zuhörer fast von den Stühlen reißt. Durch rhythmisches Klatschen erzwingt das Premierenpublikum am Ende eine Zugabe nach der anderen. Die Kulisse, eine abflachende Kammer mit transparenten Wänden, begrenzt den Bühnenraum. Darin agieren (die Sänger) als Comedian Harmonists mit lässig-selbstironischer Spiel- und Sangesfreude im Stil der 20er Jahre. Das Publikum wird quasi ins Spiel einbezogen, indem es bei den dargestellten Bühnenauftritten der Gruppe den Part des imaginären Publikums gleich mit übernimmt.
Regisseur Reinhardt Friese versteht es, die Lieder in fröhlich-stilvolle Nummern zu packen, bei denen die geziert-lässige Körpersprache nicht wenig zum Erfolg beiträgt. Wie das Tüpfelchen auf dem I rundet Krefelds ehemaliger Dirigent und Kapellmeister Philip van Buren den Bühnenspaß ab. Als Pianist der Gruppe findet er sich mitten im Spiel wieder und füllt seine Rolle, gerade wegen der gewollten Dezenz, großartig aus.
Es bleibt ein höchst amüsanter Abend, bei der das musikalische Repertoire der Comedian Harmonists im Vordergrund steht, die geschichtliche Rahmenhandlung fast beiläufig in den Hintergrund tritt.
[Extra-Tipp am Sonntag Krefeld, 24. Oktober 2010]
Beim „kleinen grünen Kaktus“ springt der Funke über
Die „Comedian Harmonists“ begeistern die Zuschauer. Die Geschichte des Ensembles ist eng mit ihrem eigenen Sound verbunden.
Vor 80 Jahren begeisterte in Deutschland ein elegant gekleidetes Männersextett mit flotten Schlagern das Publikum. Obwohl ihre Karriere durch den Nationalsozialismus frühzeitig beendet wurde, haben die „Comedian Harmonists“ bis heute nichts von ihrer Faszination verloren. Das wurde auch in der umjubelten Premiere im Theater Krefeld deutlich. Das 1997 entstandene Theaterstück von Gottfried Greiffenhagen und Franz Wittenbrink schildert die Gründung und Karriere der sechs Künstler, von denen drei jüdischer Herkunft waren. Als diese in Deutschland mit Auftrittsverbot belegt werden, trennt sich die Gruppe. Diese tragische Geschichte bildet den roten Faden durch das Stück, in dessen Mittelpunkt die bis heute populären Songs stehen. (…) Regisseur Reinhardt Friese verbindet überaus gelungenen die ernsten und heiteren Elemente des Stück. In einem trichterförmigen Raum (Ausstattung Annette Mahlendorf) lässt er zu Beginn die sechs Darsteller in Koffern stöbern. Sie finden T-Shirts, auf denen die Vornamen der historischen Sänger stehen. Die Hälfte der Hemden ist weiß, die andere schwarz, die Zweiteilung der Gruppe wird so von Anfang an deutlich. Sie streifen die Hemden über und das Spiel kann beginnen. Man erlebt, wie Harry Frommermann (Christoph Erpenbeck) über eine Zeitungsannonce Robert Biberti (Hayk Dčinyan) kennenlernt und zur Gründung eines Männer-Gesangsensembles nach amerikanischem Vorbild der Revelers gewinnt. Mit Ari Leschnikoff (Frank Valentin), Roman Cykowski (Markus Heinrich) und Erich Abraham-Collin (Tobias Scharfenberger) kommen drei weitere hervorragende Sänger hinzu, der Pianist Erwin Bootz (Philip van Buren) übernimmt die Begleitung. Die Zeit der mühsamen Proben wird kurzweilig abgehandelt, denn bereits da erklingen populäre Lieder wie „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“. Wenn das Sextett das erste Mal im Frack erscheint und „Mein kleiner grüner Kaktus“ zum Besten gibt, springt der Funke ins Publikum so richtig über. Immer wieder flirten die Darsteller mit dem Publikum, witzige choreografische Einfälle lockern die Songs auf. Was die fünf Opernsänger, die von ihrem Pianisten kongenial begleitet werden, gesanglich bieten, ist vom Feinsten. Ohne die Vorbilder zu kopieren, entwickeln sie einen eigenen Sound, der den speziellen Charakter der Songs zur vollen Entfaltung bringt. Ob es der ulkige „Onkel Bumba aus Kalumba“ oder das melancholische „Irgendwo auf der Welt“ ist, in der Interpretation dieses Ensembles wird jedes Lied zum Ohrenschmaus. So kann das Premierenpublikum gar nicht genug davon bekommen und erst nach fünf Zugaben ist der Abend mit Kultcharakter beendet.
[Westdeutsche Zeitung Krefeld, 22. Oktober 2010]
Die Comedian Harmonists
Nunmehr 75 Jahre ist es her, dass die legendäre Gesangsgruppe „Comedian Harmonists” zum letzten Mal aufgetreten ist. Sie durften es nicht mehr. Der Nazi-Terror belegte sie mit Auftrittsverbot, da drei von ihnen jüdische Wurzeln hatten. Vielen, und nicht nur reiferen Musikfreunden der leichten Muse, sind ihre unvergessen Lieder noch im Ohr. Ob „Veronika der Lenz ist da”, „Ein Freund, ein guter Freund”, „Mein kleiner, grüner Kaktus” oder „In der Bar zum Krokodil”, man kann es, wenn schon nicht mitsingen, so zumindest summen. Gottfried Greifenhagen (Buch) und Franz Wittenbrink (Musikalische Einrichtung) hatten vor einigen Jahren die zündende Idee, die unvergessenen Evergreens zu bündeln und die Geschichte der Gruppe zu erzählen. Daraus wurde ein Stück mit Gesang, durch das die unsterblichen Lieder auch beim jüngeren Publikum Begeisterung auslösen könnten. Das Stück wurde erfolgreich und bringt allerorten volle Kassen und das zu Recht. Nun kam es bei den Bühnen Krefeld/Mönchengladbach im Krefelder Haus heraus und wurde ein heftig bejubelter Erfolg. (…) Die Inszenierung von Reinhardt Friese ist ohne viel Aufwand auf das wesentliche konzentriert. Ein praktischer Einfall war, verschiedene Rollen vom Band sprechen zu lassen, Kollegen vom Schauspiel übernahmen das. Das Bühnenbild, das Wohnzimmer von Harry Frommermann, ist gleichzeitig Probenraum. Wenige Versatzstücke sind vorhanden, das Piano dominiert. An der Bühnenrampe, vor dem Vorhang steht ein Flügel. Für die Bühne und die Kostüme zeigt sich Annette Mahlendorf verantwortlich. Ganz großartig waren die Gesangssolisten. Frank Valentin als Ari, Markus Heinrich als Roman, sowie Christoph Erpenbeck als Harry Frommermann begeisterten. Mit prächtigem Bass sang und sprach Hayk Deynian den Robert Biberti. Fabelhaft falsettierte Thomas Scharfenberger seinen Part als Erich Abraham Collin. Die musikalische Leitung, vom Klavier aus, lag in den Händen von Philip van Buren, der auch die Rolle des Pianisten Erwin Bootz spielte. Riesenbeifall im nahezu ausverkauften Haus
[ioco.de, 25. Oktober 2010]
Eine Sängerquintett-Legende
(…) Dem Theater Krefeld-Mönchengladbach gelingt es, im kleinen Ensemble fünf Rollen sängerisch rollenideal zu besetzen, wie man dies so verblüffend virtuos nicht erwarten konnte. Die Inszenierung von Reinhardt Friese ist tempo- und gestenreich, überdreht aber nie zur Farce und macht aus den Opernsängern fabelhafte Schauspieler. Wie Frank Valentin (Ari Leschnikoff), Markus Heinrich (Roman Cycowski), Tobias Scharfenberger (Erich Abraham Collin), Christoph Erpenbeck (Harry Frommermann) und Hayk Dčinyan (Robert Biberti) und als Pianist Philip van Buren die Schlager „Mein kleiner grüner Kaktus“, „Ein Freund, ein guter Freund“, „Veronika, der Lenz ist da“ und „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“ u.a. mit Charme, Ironie und kurzen Tanzeinlagen servieren, ist hohe komödiantische Kunst und euphorisierte das Publikum immer wieder. Da brillieren sie stimmartistisch homogen bis hin zur Kopfstimme, die ja zum Markenzeichen der Comedian Harmonists wurde, und die Textdeutlichkeit lässt auf knochenharte Proben schließen – bravi. Schon wieder ein Abend zu Spielzeitbeginn, der auf hohem Niveau beste Unterhaltung bietet. Das elegante Ensemble im Frack wurde mit Ovationen gefeiert.
[theaterpur 12/2010]
Vom „Kleinen grünen Kaktus“ bis zu „Veronika, der Lenz ist da“ reicht das Repertoire von Deutschlands erster Boygroup. Gassenhauer, die auch heute noch ein Theaterpublikum zu Begeisterungsstürmen treiben. Erst recht, wenn so brillante Sänger wie Frank Valentin (als Ari Leschnikoff), Markus Heinrich (Roman Cycowski), Tobias Scharfenberger (Erich Abraham-Collin), Christoph Erpenbeck (Harry Frommermann) und Hayk Dčinyan (Robert Biberti) die Comedian Harmonists verkörpern. Das musikalisch-stimmliche Vergnügen könnte kaum größer sein als bei diesem perfekt harmonierenden Quintett, das es dazu noch versteht, die passenden Lacher zu den humorvoll-frivolen Songtexten zu platzieren. Mit der puren Pianobegleitung von Philip van Buren – zugleich musikalischer Leiter und in der Rolle des Pianisten Erwin Bootz – kommt die Wiederbelebung des legendären Vokalensembles bestens zur Geltung. (…) [Es ist] ein cleverer Regie-Einfall, die Vielzahl der Schauplätze und sonstrigen Rollen durch eine Ansammlung von Koffern zu ersetzen, aus denen die Stimmen des Agenten, des Theaterdirektors oder des Ministerialrats vom Band ertönen. Das unterstreicht sowohl das strahlende Tournee- als auch das beklemmende Emigrationsmotiv. (…)
[Musicals, Dez 2010/Jan 2011]