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Der Meister und Margarita

Der Meister und Margarita

Nach dem Roman von Michail Bulgakow, dramatisiert von Zara Antonyan
Inszenierung Zara Antonyan, Bühne Dirk Seesemann, Kostüme Petra Wilke, Video- und Musikkonzept Stephen Ochsner, Dramaturgie Martin Vöhringer

Der Meister und Margarita gilt neben Doktor Schiwago als der größte russische Roman des zwanzigsten Jahrhunderts. Michail Bulgakow schrieb zwölf Jahre lang an diesem russischen Faust-Roman, von 1928 bis zu seinem Tod im Frühjahr 1940. Virtuos verknüpft Bulgakow drei verschiedene Handlungen und springt dabei behände jeweils über zweitausend Jahre hinweg.

Im Moskau der dreißiger Jahre treibt der Teufel höchst selbst sein Unwesen, in Gestalt des Gelehrten Woland (ein Teufelsname, den Goethe im Faust gebraucht) und seiner wüsten Viererbande. Parallel zu dieser Groteske entfaltet sich die tragische Liebesgeschichte zwischen dem stets nur ‚Meister’ genannten Schriftsteller und seiner Geliebten Margarita. Aus Moskau schwenkt Bulgakow immer wieder in das Jerusalem des 1. Jahr-hunderts hinüber und lässt den ‚Meister’ von Pontius Pilatus und dessen folgenschwerer Begegnung mit dem seltsamen Philosophen und Wanderprediger Jeschua erzählen.

In den Vorstellungen von Der Meister und Margarita kommen Stroboskop-Effekte zum Einsatz.

  • Pressestimmen

    Teufeleien aus dem Schwarzen Quadrat

    Einen Kraftakt ohnegleichen leisteten die Beschäftigten des Theaters zum Auftakt der neuen Saison. Mehr als drei Stunden arbeitete die Theatermaschinerie auf Hochtouren, verausgabten sich elf Akteure (…), um dem ehrgeizigen Projekt der armenischen Regisseurin Zara Antonyan gerecht zu werden.

    Das Faust-Drama hat Bulgakow (1891-1940) zu seinem Künstlerroman inspiriert, der sich den gesellschaftspolitischen Bedrängnissen der Stalin-Zeit widmet. Es geht um Zensur, Feigheit, teuflische Einflüsterung, Liebe, den unterm Atheismus verkümmernden Glauben, und es gibt eine breite Rückblende in die Zeit Jesu Christi. Darin steht der römische Präfekt Pontius Pilatus im Fokus.

    Die Moralität des Stücks bewegt sich, verkörpert von Esther Keil, zu Anfang aus einem schwarzen Quadrat (à la Malewitsch) auf die Bühne und wird am Ende in Form einer Pietà der beiden Titelpersonen wieder zurückgesogen. Dazwischen erleben wir in 190 Minuten eine Groteske aus intensiven Bildern einer fantastischen Lichtregie, getragen von ideenreichem Spiel, aber akustisch überwürzt durch Musik. Das sieht sich spannend an, wird nie langweilig, aber ob der mit kubistischen Motiven wie von Kandinsky dekorierte Prospekt Dirk Seesemanns wirklich bedenkenswerte Botschaften transportiert, muss jeder Zuschauer für sich entscheiden.

    [RHEINISCHE POST, 17. September 2018]