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Der seltsame Fall des Claus Grünberg

Der seltsame Fall des Claus Grünberg

Eine Favola in musica von Kobie van Rensburg - Musik von Claudio Monteverdi - in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung Yorgos Ziavras, Inszenierung, Ausstattung, Video Kobie van Rensburg, Dramaturgie Andreas Wendholz

Ein besonderes Jubiläum steht 2017 an: Vor 450 Jahren wurde der italienische Komponist Claudio Monteverdi geboren, der als Begründer der Gattung Oper gilt und mit seinen Werken eine neue Musikepoche einläutete. In überzeugender Weise gelang es Monteverdi, Emotionen durch Musik auszudrücken, aus Theaterfiguren Menschen zu entwickeln, sei es in erhabenen Tragödien oder derben Komödien. „Die gesamte Palette menschlicher Gefühle – so verwirrend, mitreißend, unheimlich und manchmal unkontrollierbar sie auch sein mögen – bildet den Subtext der erhaltenen Musikdramen Monteverdis“, charakterisiert der britische Dirigent und Monteverdi-Experte John Eliot Gardiner treffend den schon zu Lebzeiten als „divino Claudio“ apostrophierten Komponisten.

Kobie van Rensburg entwickelt nach seinem erfolgreichen Opernpasticcio The Gods Must Be Crazy für das Gemeinschaftstheater ein neues Barockopernprojekt und nennt es Monteverdi gleich eine „Favola in musica“ – eine in Musik gesetzte Fabel.
Im Mittelpunkt dieser Fabel steht die Person des Claus Grünberg. Er ist Patient in einer psychiatrischen Klinik und kommuniziert mit seiner Umwelt einzig durch die Musik Monteverdis. Mal hält er sich selbst für den Komponisten, mal identifiziert er sich mit Opernfiguren wie Pluto, dem Gott der Unterwelt. In seiner Fantasiewelt nimmt er die Besucher und das Klinikpersonal abwechselnd als Gestalten der Unterwelt wahr oder sieht in ihnen Musiker aus Monteverdis Umfeld aus Mantua und Venedig. Auf kafkaeske Weise setzt sich so aus Rückblicken und Fragmenten eine Biografie zusammen, die erstaunliche Ähnlichkeiten zwischen der Person Claus Grünberg und dem Komponisten Claudio Monteverdi aufweist.

Das Spiel um Sein und Schein, die Verschränkung von Realität und Fantasie wird von Kobie van Rensburg mit dem Einsatz multimedialer Mittel verdeutlicht. Welche verblüffenden Effekte er dabei erzielen kann, haben zuletzt seine Inszenierungen von Der Barbier von Sevilla und The Gods Must Be Crazy am Gemeinschaftstheater gezeigt. Als musikalische Grundlage für diese „Favola in musica“ wurden Auszüge aus Monteverdis Opern sowie aus seinen geistlichen und weltlichen Vokalwerken
zusammengestellt.

 

  • Pressestimmen

    Verrückt vor Liebe, erdrückt von Schuld

    Diese Oper geht unter die Haut. Diese Oper ist wie keine andere. Diese Oper weckt extreme Emotionen, die den Zuschauer ziemlich mitnehmen können. (…) Andrew Nolen singt und spielt so überzeugend und eindringlich, dass sich jeder einzelne im kleinen Studioraum des Theaters persönlich von ihm angesprochen fühlen muss. Seinem intensiven Blick kann niemand ausweichen. Und wenn er in höchsten Tönen und in allertiefstem Bass über seine Vergänglichkeit, seine Liebe, seine Hoffnungen singt, ist das einfach nur atemberaubend. (…) Der südafrikanische Opernsänger und -regisseur Kobie van Rensburg, der nach eigener Aussage „verrückt nach Monteverdi ist“, hat wieder einmal eine atemberaubende multimediale Oper für das Theater inszeniert und mit großartiger Besetzung auf die Studiobühne gebracht. Neben Nolen und dem überaus klangvoll auftretenden, feinen James Park als Psychiater, ist da Susanne Seefing, die als Claudios Frau immer wieder zu ihm kommt, ihn tröstet, ihn beruhigt, um ihn dann wieder in der sterilen Krankenhausatmosphäre allein zu lassen. Ihre Stimme, ihr Spiel drücken ihre Seelenqual aus, wie sie liebevoll ihren Mann umsorgt, den Abschiedsschmerz heraus singt – das ist fesselnd, das berührt. Phantastisch auch die neuen Stipendiaten des Opernstudios, Panagiota Sofroniadou und Alexander Kalina. Tolle Stimmen, tolle Ausstrahlung. Das gilt ebenso für die bereits erfahrene Opernstipendiatin Agnes Thorsteins. Es macht viel Freude, diesen Sängern zuzuhören, ihre Spielfreude und ihre Begeisterung für diese außergewöhnliche Operninszenierung zu erleben. Und dann sind da noch die jungen Musiker von den Niederrheinischen Sinfonikern, die unter der Leitung des temperamentvollen Yorgos Ziavras die wundervolle Musik Monteverdis virtuos und gefühlvoll umsetzen. Die Begeisterung des Publikums äußert sich ohrenbetäubend: Riesenapplaus, trampelnde Füße erzeugen Donnergetöse, dazu laute „Bravo-Rufe“. Zu Recht! [Inge Schnettler, Rheinische Post, 26.9.2017]

    Heute wollen wir lachen

    (…) Als Bühne für das Alte-Musik-Fest wählt van Rensburg nicht etwa das große Haus, sondern zieht sich in das Studio im Rheydter Theater zurück. Und er entscheidet richtig. Hier sind die Stimmen nicht auf Dynamik angewiesen, das Videobild überzeugt auch in kleinerer Auflösung, vor allem aber entsteht die gewollte Intensität in der Aufführung. (…) Und van Rensburg hat ein großartiges Team zusammengestellt. Allen voran Andrew Nolen, der als Claus Grünberg nicht nur einen wunderbar überzeugenden Patienten darstellt, sondern in den Registern ohne Brüche vom Bass zum Falsett wechselt. (…) Panagiota Sofroniadou hat gerade erst im Opernstudio angefangen, ist darüber total glücklich und bedankt sich mit großer Spielfreude. Gesanglich kann sie sich im intimen Rahmen des Studios außerordentlich vorteilhaft präsentieren. Susanne Seefing und Agnes Thorsteins, die eine Ensemble-Mitglied, die andere im Opernstudio, begegnen sich auf Augenhöhe. Alexander Kalina huscht zunächst ein wenig unscheinbar im Hintergrund herum. Im zweiten Teil zeigt er, warum er im Opernstudio ist und aus welchem Stall er kommt. Wer seine Ausbildung bei Konrad Jarnot an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf absolviert hat, kann in der Regel das Publikum mit außerordentlichen Leistungen überraschen. Das ist bei Kalina nicht anders. Für den Chefarzt Bardi ist James Park eingesprungen. Drei Tage hatte er Zeit, sich auf die Rolle vorzubereiten und meistert sie exzellent. Die Niederrheinischen Sinfoniker haben eine passende siebenköpfige Delegation in die Obhut von Yorgos Ziavras entsendet. (…) Ziavras dirigiert das Orchester, spielt gleichzeitig Orgel und Cembalo, hat die Sänger im Blick und empfiehlt sich damit eindeutig für weiterführende Aufgaben – wieder einmal. Das zugegebenermaßen kleine Publikum ist begeistert von der im doppelten Wortsinn fantastischen Aufführung und spart nicht mit Bravo-Rufen und ausführlichem Applaus. (…) Wieder einmal ist dem Theater Krefeld Mönchengladbach in seinem Studio in Rheydt eine außerordentliche Produktion geglückt. Glückwunsch an alle Beteiligten. [Michael Zerban, opernnetz, 25.9.2017]

    (…) In fast bewährter Manier, besteht das Bühnenbild aus einer großen Leinwand, auf der mittels phantastisch klaren Bildern eine durchgängige Videoprojektion läuft, in welcher die Darsteller immer wieder eingebunden werden. Hier werden auch die teilweise recht freien, aber dafür sinngemäß stets gut passenden Übersetzungen ins Deutsche geschickt mit eingebaut. Besucher früherer Inszenierungen von Kobie van Rensburg am Theater Krefeld-Mönchengladbach werden hier Bewährtes wiederfinden. Ein großer Vorteil ist in diesem Fall das kleine Studio, da die „Aufnahmefläche“ und „Projektionsfläche“ so dicht nebeneinanderliegen, dass beides mit einem Blick erfasst werden kann.(…) Einen weiteren großen Reiz der Produktion macht die auch heute noch fesselnde Musik aus, die von acht Mitgliedern der Niederrheinischen Sinfonikern unter der musikalischen Leitung von Yorgos Ziavras wunderbar wiedergegeben werden. (…) Hervorragend auch die Darsteller, allen voran Andrew Nolen als Claus Grünberg, der diese Rolle nicht nur spielt sondern förmlich zwei Stunden durchlebt. Bereits bei „Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte“ war sein Schauspiel alleine einen Besuch wert, hier sind nun seine Gesangsanteile deutlich umfangreicher und diese meistert er in allen Lagen mit Bravour. Ganz hervorragend. In weiteren Rollen überzeugen Susanne Seefing als seine Frau Claudia Grünberg, James Park als behandelnder Chefarzt Dr. Bardi sowie die Mitglieder des Opernstudios Agnes Thorsteins, Panagiota Sofroniadou und Alexander Kalina in wechselnden Rollen. (…) Da das Studio allerdings nur eine sehr begrenzte Platzzahl bietet, sollte man sich hier durchaus beeilen, wenn man sich diese durchweg gelungene Produktion nicht entgehen lassen will. [Markus Lamers, Der Opernfreund, 25.09.2017]

    Neues Monteverdi-Pasticcio des Kobie van Rensburg

    (…) Der Regisseur arbeitet mit Livekameras und vorgefertigten Videos, kombiniert diese virtuos. Manche Bilder geben Rätsel auf wie der Buckelwal, welcher durch einen von Wasserfluten bedeckten Wald schwimmt. Aber die Optik ist stark. (…) Susanne Seefing als seine Gattin erfreut mit noblem, fraulichem Gesang. Den Arzt verkörpert James Park mit seinem klangstarken Tenor vorzüglich. Von den Mitgliedern des Niederrheinischen Opernstudios (dem Park auch mal angehörte) kommen schöne Eindrücke, wobei Panagiota Sofroniadou mit klarem, höhensicherem Sopran und attraktiver Erscheinung besonders in Ohr und Auge sticht. Aber auch Agnes Thorsteins und Alexander Kalina bieten hohes Niveau, vokal wie darstellerisch.

    Es erfreut, dass die sechs Streicher der Niederrheinischen Sinfoniker (zwei Violen!) mit dem Monteverdi-Stil gut zurechtkommen. Yorgos Ziavras, Repetitor mit Dirigierverpflichtung am Haus (bis zu seiner Festanstellung gehörte er dem Opernstudio an), leitet das um eine Lautenistin ergänzte Ensemble mit enormem Elan und bedient dazu noch Portativ und Cembalo. Ein Feuerkopf, wie es scheint. Zu hoffen ist, dass der ambitionierte Abend (Uraufführung!) nach den fünf angesetzten Vorstellungen noch weitere Aufführungschancen erhält [Christoph Zimmermann, theater pur, 26.9.2017]

    Leiden mit Monteverdi

    (…) Andrew Nolen gestaltet die Titelpartie eindrucksvoll und changiert zwischen Falsett und kräftigem Bassbariton, um die geistige Verwirrung des Claus Grünberg deutlich zu machen. (…) Susanne Seefing gestaltet die Partie seiner verstorbenen Gattin mit warmem Sopran. (…) Panagiota Sofroniadou schlüpft unter anderem in die Rolle der Tochter Arianna und überzeugt bei ihrem bewegenden Lamento der Arianna aus Monteverdis gleichnamigem Werk mit weichem Sopran. James Park stattet den Chefarzt Dr. Bardi mit flexiblem Tenor aus. Agnes Thorsteins und Alexander Kalina, die wie Sofroniadou Mitglieder des Opernstudios Niederrhein sind, überzeugen in zahlreichen weiteren Rollen. (…) Kobie van Rensburg gelingt es, mit passenden Auszügen aus Monteverdis Werken eine neue Geschichte zu erzählen, die unter die Haut geht. [Thomas Molke, Online Musik Magazin, 26.9.2017]

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