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Die Räuber

Die Räuber

Schauspiel von Friedrich Schiller
Inszenierung Matthias Gehrt, Bühne Gabriele Trinczek, Kostüme Petra Wilke, Dramaturgie Thomas Blockhaus

Ein Vater und zwei Söhne, beide radikal. Während Karl mit einer Bande raubend und mordend durch die deutschen Lande zieht, intrigiert Franz solange gegen ihn beim Vater, bis dieser ihn, bevor er entkräftet zusammenbricht, verstößt. Franz erklärt den alten Moor kurzerhand für tot und setzt sein Intrigenspiel skrupellos fort. Jetzt ist Amalia, die Geliebte des Bruders, sein Ziel.

Erst als Karl wieder auftaucht, kommen die dreisten Lügen seines Bruders ans Licht und ein blutiger Rachefeldzug nimmt seinen tragischen Lauf.

Friedrich Schillers wortgewaltiges Jugendwerk von 1781 über zwei radikale Vertreter der bürgerlichen Aufklärung in einer komprimierten, zeitgemäßen Textfassung.

  • Pressestimmen

    Schillerkommando in Chucks

    Mit Schillers Drama „Die Räuber“ schlägt Regisseur Matthias Gehrt die Brücke vom 18. ins 21. Jahrhundert. Eine gefeierte Premiere.

    Es ist kein reiner Schiller, aber die Essenz Schillerschens Denkens, die Schauspieldirektor Matthias Gehrt mit einem konzentriert kleinen und umso dichteren Ensemble von sechs Leuten auf die Bühne bringt. Es ist ein berauschender Abend, den das Premierenpublikum mit rauschendem Beifall feierte.
    Der kolossale Fünfakter von 1781 ist entkernt. Kirchen- und gesellschaftliche Kritik vom Vorabend der Aufklärung ist eingedampft. […] Henning Kallweit, Philipp Sommer, Vera Maria Schmidt, Adrian Linke und Ronny Tomiska sind das Schillerkommando, das in Turnschuhen gegen eine Demokratie stürmt und drängt, die keinen Aufbruchsgeist mehr kennt. […]

    Kostümbildnerin Petra Wilke und Bühnenbildnerin Gabriele Trinczek haben das Spiel der doppelten Ebenen aufgegriffen: Der Salon des 18. Jahrhunderts, in dem Joachim Henschke als Graf von Moor residiert, wird aus der Tiefe der Bühne nach vorne geschoben. Die Turnschuh-Revoluzzer verwandeln sich mit Gehrock, Rokokokleid und Perücke zur Schillerschen Personnage und schlagen die Brücke zwischen 18. und 21. Jahrhundert. Sie steigen in den Schiller-Kasten ein und aus und wechseln dabei rasant und hochkonzentriert ihre Rollen. […]

    Die Schauspieler agieren bei ihren Charakterwechseln so genau wie ein Schweizer Uhrwerk. Sie erinnern an den Chor der antiken Tragödie, wenn sie beschwörend Texte mitsprechen oder ein Stimmen-Chaos kreieren, das so labyrinthisch wirkt wie das Böse, in dem sich die verhassten Brüder verirren und aus dem sie keinen Ausweg finden. Der Chor ist die Macht, die verführt, verspricht, einbläut, manipuliert. Die Moor-Söhne sind einfache Opfer. Karl (Philipp Sommer), weil er darunter leidet, dass der Vater ihn verstoßen hat, und nun seinen Selbstwert bei den Räubern zurückfinden will. Franz (Henning Kallweit), weil er die Liebe des Vaters nie hatte und als der Ewig-Zu-Kurz-Gekommene nun Rache nehmen will. Amalia (Vera Maria Schmidt) kämpft als Ritterin der Liebe auf verlorenem Posten. Alles, woran sie glaubt, ist ihr längst entglitten. Den Moment dieser Erkenntnis zelebriert Schmidt fragil und innig.
    Henning Kallweit ist ein bis ins Mark eiskalter Franz. In seiner Besessenheit quält er jeden Schwächeren, der ihm in den Weg kommt. Er demütigt Amalie, deren anhaltende Treue zu Franz er trotz aller Intrigen und Schikanen nicht brechen kann, derart, dass sich auch das Publikum ekelt. Kallweit lächelt dabei maliziös und mit einem Blick, der Diamanten schleifen könnte. Sommer ist ein ebenbürtiger Gegenspieler. Er ist stolz und stark, bis er merkt, dass die Geister, die er rief, ihn in der Zange haben, dass er verantwortlich ist für Tod und Leid Unschuldiger und den Strom der Gewalt nicht stoppen kann. „Ich hätte glücklich sein können“, ist sein bitteres Resümee. Die Akteure sind großartig: Die Menschen und Schicksale auf der Bühne berühren. Langen Beifall und standing ovations spendete das Publikum für Ensemble und Inszenierungsteam.

    [RHEINISCHE POST, 30.April 2018]