Dr. Faustus / opus 111 von Thomas Mann und Ludwig van Beethoven

Dr. Faustus / opus 111 von Thomas Mann und Ludwig van Beethoven

Literarisch-musikalischer Abend mit Michael Grosse (Lesung) und André Parfenov (Klavier)

Der große Altersroman DR. FAUSTUS von Thomas Mann, erschienen 1947, entstand vor dem Hintergrund der Niederlage des deutschen Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg. In diesem Kontext schildert Mann den Weg des jungen, begnadeten Komponisten Adrian Leverkühn, der durch einen Teufelspakt seinen eigenen Untergang heraufbeschwört.
Hinter dieser Romanfigur könnte man neben Arnold Schönberg auch Friedrich Nietzsche vermuten, ebenso sind jedoch autobiographische Bezüge zu entdecken.
Im Zentrum der musikalischen Lektionen, die Leverkühn von seinem Lehrer Wendell Kretzschmar erhält, steht immer wieder das Werk Ludwig van Beethovens, vor allem seine letzte Klaviersonate op. 111. Jene Romankapitel, die sich mit Beethoven beschäftigen, zählen zu den grandiosesten Musikbeschreibungen der Weltliteratur. Mann hatte im amerikanischen Exil zahlreiche Kontakte zu Musikern und Dirigenten, doch das Gelingen der Beethoven-Kapitel verdankt er in erster Linie dem intensiven Gedankenaustausch mit Theodor W. Adorno, der auf diese Weise quasi zum Mit-Autor avancierte.

Dauer: ca. 65 Minuten, keine Pause.
Aufführungs-Leserechte beim S. Fischer Verlag, Frankfurt/M.

Besetzung

In einzelnen Vorstellung kann die Besetzung varieren

  • Pressestimmen

    Michael Grosse liest wieder Thomas Mann
    Mit dem Lese-Klavier-Abend „Dr. Faustus / Opus 111“ bedient das Theater klassisch-nostalgische Bildungsbedürfnisse. Eindrucksvoll!

    (…) Generalintendant michael Grosse hatte mit Manns „Felix Krull“ bereits eine gelungene Leseprobe seiner persönlichen Thomas-Mann-Pflege geliefert. Nun wählte er aus dem Faustus-Roman eine Passage für den Leseabend aus, der sich speziell mit Beethoven befasst: genauer mit dessen letzter Klaviersonate c-Moll opus 111. (…) Im Studio des Theaters schilderte Grosse dynamisch und spannungsreich, wie Leverkühns Musiklehrer Wendell Kretzschmar in einem Vortrag Beethovens letzte Klaviersonate erläutert. Dass der Musiker ein Stotterer ist, wird in Manns Text detailliert und mit viel Ironie beschrieben, aber nicht platt exekutiert. Das versuchte auch Michael Grosse nicht in seiner mitreißenden Lesung. Lediglich mit versteckten Schrulligkeiten (…) setzte der ausgebildete Schauspieler Nuancen. Famos. Famos auch, wie der Theater-Hauspianist André Parfenov hernach am Flügel Beethovens Opus 111 live interpretierte. Auch wenn er nicht gerade ein Spitzen-Instrument zur Verfügung hatte, gelang Parfenov doch eine formal geschlossene Wiedergabe, die insbesondere durch die phänomenale Virtuosität des Solisten aufhorchen ließ, der auswendig spielte.
    [Dirk Richerdt, Rheinische Post, 22.12.2015]

    Grosse zieht das Publikum in seinen Bann
    Mit André Parfenov am Klavier überzeugt der Theaterintendant mit seiner Lesung „Dr. Faustus“

    (…) Von der ersten Silbe an zieht Grosse das Publikum in seinen Bann, macht mit klarem Duktus die Struktur der Schachtelsätze transparent und lässt dabei den ironischen Grundton wunderbar mitschwingen. Ohne sich zu einer Übertreibung hinreißen zu lassen, schafft er eindrucksvoll das Bild eines exaltierten Vortragenden, der sisch im Roman beim Klavierspiel in Rage redet. Den Part des Klaviers überließ Grosse an diesem Abend André Parfenov, der gegen Ende der Lesung die berühmte Sonate mit leidenschaftlichem Ausdruck und großer Virtuosität interpretierte. (…)
    [Michaela Plattenteich, Westdeutsche Zeitung, 25.01.2016]

    Doktor Faustus – brillant vorgetragen
    Beethoven und Thomas Manns Roman „Doktor Faustus“ ergaben eine wunderbare Mischung – und Theaterintendant Grosse bewies einmal mehr, dass er als Schauspieler mit schöner Sprechkultur begann.

    (…) Manns Meisterschaft im Satzbau ist das eine. Dass der ansonsten eher zur Arroganz neigende Autor seine sprachliche Finesse diesmal bis zur Selbstparodie trieb, gibt dem Text zusätzlichen Reiz, und Grosse, dem feingesponnene Ironie ebenfalls nicht fremd ist, erwies sich als brillanter Vorleser. Ob es um das Desinteresse der Mitmenschen an solchen Vorträgen ging, um sprachliche Eigenheiten Kretzschmars oder um die tief empfundene Liebe von Thomas Mann zur Musik – Grosse gestaltete es mit eleganter Süffisanz so lebendig und vergnüglich, dass die Hörer im gut besuchten Saal gebannt an seinen Lippen hingen und zwischendurch auch gern lachten.
    Zuvor hatte Frank Weiher mit einer kompakten Einführung dafür gesorgt, dass der Text in seinen Feinheiten auch von Nicht-Kennern des Romans verstanden werden konnte. (…) Manche Textstelle erschloss sich aus ihrer ungebrochenen Aktualität heraus, zum Beispiel als Mann seinen Erzähler sinngemäß sagen ließ, wie leicht das Volk bei seinen niederen Instinkten zu packen sei und dass Religion nicht immer das geeignete Mittel sei, diese unter Verschluss zu halten. Dazu brauche es des aufgeklärten, humanistischen Geistes. Wie wahr! Als Parfenov sich dann an den Flügel setzte und das besprochene Opus glänzend interpretierte, verstand man mühelos, warum dem ergreifenden Abschied am Ende des zweiten Satzes kein dritter Satz hatte folgen dürfen, und spendete freudigen Applaus. (…)
    [Mojo Mendiola, Rheinische Post, 25.01.2016]