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Wer kann die Wahrheit nackend sehn?

Wer kann die Wahrheit nackend sehn?

Fabeln von Äsop {6. Jh. v. Chr.}, Jean de La Fontaine {1621 – 1695}, Gotthold Ephraim Lessing {1729 – 1781}, Iwan Andrejewitsch Krylow {1769 – 1844} und anderen

Die Wahrheit hört man nicht gern, denn sie ist unbequem; man sieht ihr nicht gern ins Gesicht, denn sie kommt ungeschminkt daher; man glaubt sie nicht, denn sie ist oft verletzend – diese Erfahrung hat sich über Jahrhunderte und Jahrtausende ins menschliche Bewusstsein eingegraben. Doch der Mensch war schon immer erfinderisch: Er begann, die Wahrheit zu beschönigen und zu verkleiden, um den Umgang mit ihr angenehmer und leichter zu machen.

Als besonders geistreiche und witzige Art des Umgangs mit der Wahrheit bildete sich die literarische Gattung der Fabel (lat. fabula – Erzählung) heraus, die sich von der Antike über die Aufklärung bis in die Gegenwart in vielfältigen Varianten entwickelte. Das wichtigste Fundament aller Fabeldichtung sind die umfangreichen Überlieferungen des Äsop aus dem 6. Jh. v. Chr.

Ob in Prosa oder in Versen, ob epigrammatisch kurz oder facettenreich ausgeschmückt, ob direkt oder hintergründig-ironisch – immer ist sie ein Spiegel der jeweiligen sozialen und politischen Verhältnisse, immer hinterfragt sie menschliches Denken und Handeln kritisch, immer vermittelt sie eine Lebensweisheit oder Moral, kurz : Sie zeigt die Wahrheit – aber nicht nackend, sondern im metaphorischen Gewand.

Michael Grosse stellt mit den Fabeldichtern Äsop, de La Fontaine, Lessing und Krylow vier bedeutende, stilistisch sehr unterschiedliche Vertreter der Gattung aus verschiedenen Epochen ins Zentrum seiner szenischen Lesung und präsentiert damit eine thematisch vielfältige Auswahl von Fabeln, die auch im 21. Jahrhundert nichts an Aktualität und Aussagekraft eingebüßt haben.

Besetzung

In einzelnen Vorstellung kann die Besetzung varieren

  • Pressestimmen

    Fabelhafter Abend mit Michael Grosse
    Der Theaterintendant hat für seinen Soloabend Fabeln von Aesop bis Brecht zusammengestellt. Lange vor Beginn der Premiere drängten sich die Besucher im Foyer der Heeder. Freunde gepflegter Sprache kamen auf ihre Kosten.

    (…) Dass Michael Grosse literarische Mauerblümchen prächtig erblühen lässt, hat sich seit seinem Balladen-Programm herumgesprochen. Entsprechend schnell war der Abend, der einer der ältesten Gattungen gewidmet ist, ausverkauft – obwohl mit einem wacker aufrechten Zeigefinger zu rechnen sein musste. Die Moral gehört zur Fabel wie die Symbolik. (…) Grosse flaniert mit markanter Stimme durch die Texte aus zwei Jahrtausenden. Oft fließen die Geschichten nahtlos ineinander, meist sind sie heiter. Oft wird gelacht, öfter noch geschmunzelt, nur selten geht es um den Tod, und dann wird es ernst und still. Das Licht auf der von Udo Hesse sparsam mit Stehpult, Tischchen und zwei Stühlen eingerichteten Kulisse wird dann kühl und blau. Mehr braucht es nicht für einen Abend, der die schöne Sprache zelebriert.
    [Petra Diederichs, Rheinische Post, 24.09.2018]

    Ein fabelhafter Generalintendant
    Beim Soloabend zog Michael Grosse das Publikum in der Fabrik Heeder in seinen Bann.

    (…) Wie vielfältig und teilweise sehr humorvoll diese Geschichten sind, kann man jetzt in einem neuen Soloabend von Generalintendant Michael Grosse erleben. (…) Die abwechslungsreiche Struktur ergibt sich aber vor allem aus der klug gewählten Zusammenstellung der Fabeln selbst. (…) Von pointiertem Witz, über derben Humor bis hin zu einer nachdenklichen Stimmung ist hier alles zu finden und Grosse zeigt für diese Nuancen wieder feinstes Gespür. So ist es bei der traurig-schönen Fabel „Cupido und der Tod“ ganz still im ausverkauften Saal. (…) Gegen Ende des Abends (…) steht Lessings traurige Geschichte vom alten Wolf, die sich aus sieben Kurzfabeln zusammensetzt.
    Mit zwei Texten von den Brüdern Grimm setzt Grosse einen heiteren Schlussakzent und wird mit viel Applaus bedacht.
    [Michaela Plattenteich, Westdeutsche Zeitung, 24.09.2018]