Dramatische Liebe im Ghetto
Regisseur Thomas Wünsch verlegt Bellinis Norma geschickt ins 20. Jahrhundert.
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) Im Original bilden Gallier und die sie beherrschenden Römer die verschiedenen Lager. (
) Bei Wünsch stehen sich ein nicht näher bezeichnetes Volk in Kleidung, die in die 1940er bis 1950er Jahre passen könnte, und Militärs gegenüber (Ausstattung: Heiko Mönnich). Die zeitliche Versetzung funktioniert. (
) Barbara Dobrzanska singt die Titelrolle als Gast. Die Sopranistin besitzt Strahlkraft nicht nur in den Höhen, sondern auch in den leiseren Passagen. Die unvermeidlichen Koloraturen des Belcanto gelingen ihr mühelos, mit Sinn für das Wesentliche reduziert sie das Pathos ihrer Melodien auf einen wahrhaftigen Kern. (
) Andreas Fellner dirigierte die Niederrheinischen Sinfoniker mit der Exaktheit im Timing, die Bellinis Musik, weniger auf eigenständige Dramatik denn auf dienende Begleitung bedacht, unbedingt erfordert. Bravo-Rufe für Dobrzanska, viel Applaus für Ensemble, Chor, Regieteam und Orchester.
[Westdeutsche Zeitung Krefeld, 05.12.2011]
Trimphzug für Norma
Bravorufe schon nach der zweiten Szene: Unter großem Jubel hatte Bellinis Oper „Norma“ Premiere im Theater. Vor allem die Sängerinnen glänzten und bewiesen höchstes Niveau. Aus dem Publikum flogen Blumensträuße.
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) In Thomas Wünschs Inszenierung von Vincenzo Bellinis Oper haben die weiblichen Hauptrollen die meiste Ausdruckskraft – und es waren auch die Sängerinnen, die den mächtigsten Eindruck machten. Nach der Ohrwurm-Arie „Casta Diva“ hielt minutenlanger Jubel die Handlung an. Die Bravo-Rufe galten der Sopranistin Barbara Dobrzanska, die mit enormer Stimme und darstellerischen Feinheiten das Publikum betörte. So schön können drei Stunden (Mit-)Leiden sein. Beim Schlussjubel flogen sogar Blumensträuße auf die Bühne – für Dobrzanska und für Kapellmeister Andreas Fellner, der mit den Niederrheinischen Sinfonikern auf höchstem Niveau glänzte. (
) Wie geschliffener Edelstein klingt Dobrzanska, wenn sie zum Durchhalten aufruft. Mühelos, aber mit großer Intensität erklimmt sie die Gipfeltöne ihrer Koloraturen und singt sich ebenso elegant wieder abwärts. (
) Als Rivalin um die Gunst des Römers ist Janet Bartolova eine gewichtige Partnerin. Mit glockenreinem Gesang verzehrt sie sich in der Sehnsucht nach Glück. (
) Großer Beifall auch für den Chor, der stets auf den Punkt agierte, das Orchester, das immer im richtigen Maß Schönklang zelebrierte und Dramatik schürt, so wie für Andrew Nolen, Lilia Tripodi, Hyun Ouk Cho.
[Rheinische Post Krefeld, 05.12.2011]
Gefühle und Politik
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) Wünsch hat den ursprünglichen Zeitbezug aufgehoben und verweist auf die Allgemeingültigkeit der Situation: Da wird eine Gruppe von Menschen von einer anderen Gruppe unterdrückt, und deren beide Anführer verlieben sich ineinander. (
) Diese Handlung findet auf einer Bühne statt, die an das Warschauer Ghetto erinnert. (
) Stark unterstützt wird der Ghetto-Eindruck durch die Kostümwahl Mönnichs. Er lässt die Zivilisten in der Kleidung der 40-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts auftreten, die militärischen Unterdrücker tragen schwarze Uniformen, die Assoziationen an die so genannte Schutzstaffel der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter Partei wecken. Holger Klede unterstützt die Aussichtslosigkeit der Situation mit einem durchweg fahlen, graublauen Grundton im Licht, das sich nur an den „Brennpunkten“ aufhellt. Und es brennt lichterloh, zumindest, was die Leidenschaft der Akteure angeht. Barbara Dobrzanska verleiht der Norma stimmlich die geforderte Verzweiflung und Zerrissenheit, Janet Bartolova steht ihr als Adalgisa in nichts nach, und so gerät besonders ihr erstes Duett zu einem der Höhepunkte des Abends. Kairschan Scholdybajew versucht seine Erkrankung in den vorangegangenen Tagen tapfer zu überspielen, und wirklich gelingt ihm bis auf ein paar Einbrüche eine respektable Leistung. (
) Ein Sonderlob soll Chor und Extrachor des Hauses unter Maria Benyumova gelten. Kraftvoll, kämpferisch und auf den Punkt gibt man sich hier. Die Niederrheinischen Sinfoniker lassen sich von Andreas Fellner mit Verve durch die Musik führen. Fellner verzichtet da, wo es dem Verständnis der Handlung nicht abträglich ist, schon mal darauf, jeder Stimme den Vortritt zu überlassen, setzt stattdessen lieber Akzente und trägt damit erheblich zum Gesamterfolg des Abends bei. Und der Abend wird ein Erfolg. Dem Publikum wird bei aller Emotionalität der Geschichte vor allem ein Gefühl vermittelt: Bei etwas ganz Besonderem dabei gewesen zu sein. Dafür bedankt es sich mit Szenen- und Arienapplaus, würdigt die Gesamtleistung entsprechend. Wieder einmal hat das Theater Krefeld bewiesen, dass Erfolg keine Frage der Größe, sondern des Engagements ist. Bravo!
[www.opernnetz.de, 06.12.2011]
Norma
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) Der Regisseur wählte entgegen der Vorlage des Librettos als Ort des Geschehens ein Getto. (
) Die mit Abstand beste Leistung brachte Barbara Dobrzanska in der Rolle der Norma. Ihre glanzvolle Stimme überzeugte vom ersten bis zum letzten Ton durch eine saubere Intonation und reiner Klangfarbe. Ihre Arie Casta diva – begann sie äußerst zart. Auch ihr hohes A sang sie klar, durchdringlich und sauber. Janet Bartolova (Adalgisa) bot eine dramatische und ausdrucksstarke Stimme (
). Andrew Nolen (Oroveso) fiel auf mit einer warmen Baß-Stimme. In dem erst 31-jährigen zweiten Kapellmeister Andreas Fellner zeigte sich ein vielversprechender Nachwuchsdirigent. (
) Überwältigenden Applaus gab es für die Hauptdarstellerin, die schon während der Aufführungen zahlreiche Brava-Rufe bekam.
[www.operapoint.com, 04.12.2011]
Norma begeistert am Niederrhein
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) Ein Glücksgriff war Barbara Dobrzanska, (
) die sich am Staatstheater Karlsruhe ein riesiges Repertoire im vornehmlich lyrischen Sopranfach erarbeitet hat und nun mit einem sehr bemerkenswerten Rollendebüt als Druidenpriesterin aufhorchen ließ. (
) Es sind vor allem der sehr aparte, edle, schlanke, aber glänzend fokussierte Ton, die hohe Legatokultur und die unangestrengten, leuchtend-schimmernden Spitzentöne, die einen sofort in den Bann der Künstlerin ziehen, und so wurde sie bereits nach einem nahezu perfekten "Casta diva" mit langanhaltendem Applaus und Brava-Rufen für blitzsaubere fallende Skalen, exzellent ausgeführte Triller und geschmackvolle, gezielt gesetzte Verzierungen und später dann für eine wirklich beseelte, nie vordergründige, im besten Sinne dezente, nie veristisch überzeichnende Interpretation gefeiert. Ein Phänomen ist natürlich Janet Bartolova, die an diesem Abend die Adalgisa gab, alternierend aber auch die Titelpartie übernimmt. (
) Aber auch die aktuelle Premierenleistung war eine bemerkenswerte (
). Einen wirklich guten Eindruck hinterließen die Chöre in der offenbar präzisen, durchdachten und auch gut umgesetzten Einstudierung von Maria Benyumova, besonders die Herren seien noch einmal ausdrücklich hervorgehoben.
[www.omm.de, 05.12.2011]
Liebe in Zeiten der Unterdrückung
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) Die Krefelder Premiere ist eine Übernahme der Inszenierung von Thomas Wünsch am Pfalztheater Kaiserslautern, das Konzept vielleicht schon besprochen, nichtsdestotrotz: Wünsch greift auf die probate Verlegung der Handlung in die Dreissiger Jahre des letzten Jahrhunderts zurück (
) . Die Bilder und schlichten Kostüme von Heiko Mönnich erinnern an den poetischen Neorealismus des italienischen Films oder erinnern an französische Nachkriegsfotographien (
) . Rein gesanglich ist Bellinis "Norma" so etwas wie die Königsdisziplin des Belcanto, mit Barbara Dobrzanska konnte man eine charismatische Sängerin für die Titelpartie gewinnen, deren schöner, individuell gefärbter Sopran in allen Lagen gut klingt (
) . Mit Janet Bartolova, die alternierend auch die Norma übernehmen wird, hatte sie am Premierenabend eine passend dramatische Adalgisa an ihrer Seite (
) . Kairschan Scholdybajew wurde nach der Pause als indisponiert angesagt, was man von Beginn hören konnte, doch erfreut der Tenor als Pollione mit einem istinktiven Gespür für die Bedürfnisse des Belcantogesanges, man muß dem Künstler großen Respekt dafür zollen, sich angeschlagen dennoch mit solcher Verve in die leicht heldentenorale Partie zu werfen. Andrew Nolen überzeugte mit stilistisch wohlklingendem Bass als Oroveso, (
) Hyun Ouk Chos Flavio gefiel solide. (
) Insgesamt eine stürmisch umjubelte Premiere, besonders Gast Barbara Dobranska wurde frenetisch für ihre emotionale Darbietung gefeiert.
[www.deropernfreund.de, 07.12.2011]
Norma am Theater Krefeld Mönchengladbach
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) Thomas Wünsch, der Regisseur der Krefelder Erstaufführung, verlegt die Handlung in die Zeit des Faschismus. Das gelingt ihm recht gut und ohne nennenswerte Brüche.
Herausragenden Anteil daran hat die Ausstattung von Heiko Mönnich. Seine Aufbauten, (
) waren der beklemmende Schauplatz dieser in sich stimmigen Inszenierung. Die musikalische Seite dieser Produktion war hervorragend. An erster Stelle muss hier Barbara Dobrzanska genannt werden, die als Gast die Titelpartie sang. Sie verfügt über eine farblich aparte Sopranstimme mit großer Kehlkraft und Flexibilität. Die an Koloraturen und Verzierungen reiche Rolle bereitete ihr keine Mühen. Dazu spielte sie mit überzeugender Schlichtheit, aber brennender Intensität, die zwischen Liebe, Hass und Pflicht zerrissene Frau. Eine großartige Leistung. Nach der großen Arie “Casta Diva” gab es schon lautstarke Ovationen für sie. (
) Janet Bartolova sang die Adalgisa an diesem Abend. Ihre große, wandlungsfähige Stimme und ihre gestalterische Präsenz wusste sie effektvoll einzusetzen. (
) Mit kräftigem Tenor sang Hyun Ouk Cho den Flavio, Polliones Freund und Begleiter. Die Clothilde, Normas Vertraute, war mit der schönstimmigen Lilia Tripoldi besetzt. Ganz großartig, eigentlich wie immer, war der stimmlich und darstellerisch präsente Chor, den Maria Benyumova einstudiert hatte. Am Pult stand Andreas Fellner, der die üppige Pracht der melodienreichen Musik Bellinis, zusammen mit den prächtig aufspielenden Niederrheinischen Sinfonikern, optimal hörbar machte. Ein schöner Erfolg für die vereinten Bühnen von Krefeld und Mönchengladbach, der vom Publikum herzlich gefeiert wurde.
[www.ioco.de, 06.12.2011]
Immerwährendes Menschenschicksal
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) Das Niederrheinische Gemeinschaftstheater Krefeld/Mönchengladbach (welches derzeit auch einen inszenatorisch nachgerade sensationellen Mozart-"Figaro" bietet - Regie: Kobie van Rensburg) hatte zwar vor einiger Zeit auch Donizettis" Lucia di Lammermoor" im Repertoire, aber Belcanto-Werke sind doch eher die Ausnahme. Nun also "Norma", nicht gänzlich home-made, da aus Kaiserslautern (2009) übernommen. (
) Thomas Wünsch, welcher die dramaturgische Konstellation von "Norma" übrigens auf die Höhe eines Shakespeare und Schiller stellt, wählt für seine Inszenierung eine Ghetto-Situation, die beim Ausstatter Heiko Mönnich trotz atmosphärischer Tristesse recht malerisch ausfällt. An die Wirkung der durch das Libretto vorgegebenen Historie glaubt der Regisseur nicht, allerdings will er auch keine knallharte Realität abbilden. Freilich hat er das Zeitalter des Risorgimento vor Augen. Totalitäre Macht und Unterdrückung von Völkern - das wird in seiner Deutung als immerwährendes Menschenschicksal außerordentlich dringlich. Vor der Ouvertüre ertönt ein "Libertΰ"-Schrei, auch sonst hat der (hervorragende) Chor einige verbale Einwürfe zu absolvieren, die sich mitunter auch gegen Norma richten, deren Zögerlichkeit beim Aufrufen des Widerstandes gegen die Besatzer nicht verstanden wird. Dem Regisseur gelingt es, mit signifikanter Bewegungsführung und intensiven Handlungsepisoden (gleich zu Beginn eine Exekution) beklemmende Situationen entstehen und gleichzeitig Statik nicht als Verlegenheit wirken zu lassen. Günstig auch die Vorhangzäsuren zwischen den einzelnen Szenen (nicht nur wegen der Bühnenumbauten). (
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[www.klassikinfo.de, Dezember 2011]
Opernpremiere „Norma“
Titelheldin umjubelt – Schwierige Partie meisterhaft gestaltet
Ganz großes Musiktheater am Theater Krefeld: Mit einer brillanten Barbara Dobrzanska in der Titelrolle wurde die Premiere von „Norma“, Belcanto-Oper von Vincenzo Bellini, ein Riesenerfolg. Die gebürtige Polin, die vom Staatstheater Karlsruhe engagiert wurde, beherrscht ihre Partie, die zu den schwersten der Opernliteratur gehört, meisterhaft und wurde zu Recht mit viel Beifall und Bravo-Rufen gefeiert. Ihr musikalisches Wirken wurde im März dieses Jahres dadurch gewürdigt, dass ihr der Titel „Kammersängerin“ verliehen wurde. Ihr zur Seite bewies die Sopranistin Janet Bartolova, in der Rolle der Adalgisa enormes stimmliches Potential und wurde ebenfalls vom Publikum belohnt. Bartolova für Theaterbesuche der Inbegriff der Operndiva, ist seit 16 Jahren am Theater Krefeld-Mönchengladbach und hat hier viele herausragende Partien gesungen. (
) Ein Genuss auch, Dobrzanska und Bartolova gemeinsam singen zu hören. (
) Die Niederreihnischen Sinfoniker, diesmal unter der Stabführung von Andreas Fellner, bewährten sich einmal mehr. Und das gilt auch für den Chor, mit dem die junge Maria Benyumova arbeitete.
[Grenzland-Nachrichten, Nettetal, 15.12.2011]
Norma ist spielbar
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) In Krefeld dagegen gelingt es der aus Kaiserslautern (2009) übernommenen Aufführung, ein Sujet mit wohl doch fern gerücktem historischem Ambiente sowohl emotional tief zu erschließen als auch einen wägenden Blick vom Heute aus zu gestatten. (
) Janet Bartolova, langjähriges Ensemblemitglied, wechselte jetzt von der Adalgisa zur Norma (
). Spitzentöne kommen immer noch verlässlich, aber unterstützt von Ausdrucksexpressivität, die freilich zum Naturell der Künstlerin gehören. Die Adalgisa war jetzt Eva Maria Günschmann und bot eine vollstimmige, körperhafte Leistung. Als Bühnenfigur ist Andrew Nolen eine ausgesprochen bewegende Bühnenfigur. (
) Lilia Tripodi wertet die Nebenfigur der Clotilde schönstimmig auf. Als Flavio macht Zheng Xu auf sich aufmerksam. (
) Thomas Wünsch wählt für seine Inszenierung, das Zeitalter des Risorgimento vor Augen, eine Ghetto-Situation (
). Totalitäre Macht und Unterdrückung von Völkern – das wird in seiner Deutung außerordentlich dringlich. Vor der Ouvertüre ertönt ein „Liberta“-Schrei, auch sonst hat der (hervorragende) Chor einige verbale Einwürfe zu absolvieren. (
) Dem Regisseur gelingt es, mit signifikanter Bewegungsführung und intensiven Handlungsepisoden (gleich zu Beginn eine Exekution) beklemmende Situationen entstehen und gleichzeitig Statik nicht als Verlegenheit wirken zu lassen.
[orpheus, Jan./Feb. 2012]
Norma
Die Inszenierung war (
) bereits in der Spielzeit 2008/09 am Pfalztheater Kaiserslautern zu sehen gewesen, neu war jedoch die Protagonistin Barbara Dobrzanska, und so kam man in den Genuss einer veritablen Sensation. Die polnische Sängerin (
) sang die Norma mit einer Mühelosigkeit und stimmlichen Brillanz, dass man kaum glauben konnte hier eine der anspruchsvollsten Partien der gesamten Opernliteratur zu vernehmen. Ob die mystische Verzückung der „Casta Diva“- Koloraturbögen, oder ihre dramatische Attacke in den Rezitativen, besonders bewegend bei ihrem verzweifelten und letztendlich vergeblichen Versuch, ihre Kinder zu ermorden: Der Künstlerin gelang an diesem Abend einfach alles. Ein Höhepunkt waren die beiden Duette mit Adalgisa, wo ihr mit Janet Bartolova aus dem Ensemble eine ebenbürtige Partnerin zur Seite stand. Auch hier waren kongeniale musikalische Gestaltungskraft und souveräne Bewältigung der Partie zu bewundern, eine bruchlose Registerverblendung erlaubt es der Sängerin, sowohl im Mezzo als auch Sopranfach zu brillieren (
) . Bemerkenswert waren auch die zusätzlichen darstellerischen Qualitäten der Protagonistinnen in der Inszenierung von Thomas Wünsch (
) . Durch die Verlegung in ein neuzeitliches Ghetto kann die Kluft zwischen einem mörderischen Besatzungsregime und einem auch kulturell unterdrücktem Volk viel eindrücklicher vermittelt werden. Heiko Mönnich hat dazu ein beeindruckendes Bühnenbild entworfen, eine große Mauer mit Häuserruinen und zerbrochenen Fenstern, die überall in der Welt stehen könnten (
) . Bewegend ein eingeschobenes Lamento von Vivaldi, das Clotilde als Erinnerung an ihren gefallenen Ehemann anstimmt. Aus dem Graben sorgten die Niederrheinischen Symphoniker für einen fein federnden Belcanto-Klang. Der 2. Kapellmeister des Hauses Andreas Fellner kümmerte sich nicht nur um eine sängerfreundliche Begleitung, sondern sorgte auch mit wunderschönen Farbvaleurs für eine überzeugende und dramatisch stringente musikalische Interpretation, wobei hier insbesondere die Soloflöte für ihre Klangschönheit gelobt werden muss. Am Ende Riesenapplaus für alle Beteiligten; man war sich einig, einen wirklich herausragenden Abend erlebt zu haben.
[Das Opernglas, Feb. 2012]