von Georg Büchner (1813-1837)
Inszenierung: Matthias Gehrt
Bühne: Gabriele Trinczek
Kostüme: Petra Schlüter-Wilke
Dramaturgie: Ulrike Brambeer
Der einfache Soldat Woyzeck ist in einem Teufelskreis aus Ausbeutung, Unterdrückung und Entfremdung gefangen: Um seine Geliebte Marie und das gemeinsame Kind zu ernähren, muss er zusätzlich zu seinen militärischen Verpflichtungen zahlreiche Gelegenheitsarbeiten für seinen herablassenden Hauptmann erledigen; dem skrupellosen Doktor, der sogar Woyzecks Körperfunktionen kontrollieren will, hat er außerdem seinen Leib zu medizinischen Versuchszwecken verkauft. Neben allen physischen und psychischen Demütigungen, denen er ausgesetzt ist, quälen ihn zunehmend dunkle Visionen. Einzig die Beziehung zu seiner geliebten Marie scheint seine Rettung. Doch als sich die lebenshungrige Frau auf eine Affäre mit dem stattlichen und solventen Tambourmajor einlässt, bricht für Woyzeck eine Welt zusammen. Getrieben von Stimmen, die ihm befehlen, die treulose Marie umzubringen, muss er vernichten, was er am meisten liebt.
Mit Woyzeck bringt Büchner zum ersten Mal in der Theatergeschichte einen Vertreter der unteren sozialen Schicht als Hauptfigur auf die Bühne: einen gehetzten, bemitleidenswerten und sprachlosen Antihelden.
Historisches Vorbild des Büchnerschen Dramenfragments ist dabei u.a. der Fall des Leipziger Johann Christian Woyzeck, der seine Geliebte aus Eifersucht erstach und 1824 hingerichtet wurde. Doch Büchner begnügt sich nicht mit der Neubewertung eines alten Gerichtsfalles, er klagt die Missstände an, die den Menschen Woyzeck zum Spielball der Herrschenden und zum reinen Objekt machen. In seiner Parteinahme für die gesellschaftlich Entrechteten ist das Stück hochaktuell.

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