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Beethoven!

Beethoven!

Ballett von Robert North - Musik von Ludwig van Beethoven, J.S. Bach, W.A. Mozart, John Cage und André Parfenov – Uraufführung –
Choreografie Robert North, Choreografieassistenz Sheri Cook, Bühne und Kostüme Luisa Spinatelli, Dramaturgie Regina Härtling

Dass Ludwig van Beethoven unsterblich ist, beweist Ballettdirektor Robert North in seiner neuen Choreografie. Er lässt den Komponisten, dessen 250. Geburtstag wir 2020 feiern, durch einen originellen Kunstgriff ideenreich und fantasievoll auferstehen: ein Tänzer, ein Pianist und ein Schauspieler verkörpern Beethoven.

Doch wie können wir sein Schicksal nachempfinden, seine Leidenschaft teilen? Verstehen wir, wie es ihm gelingt, die Erschütterungen, Verwerfungen und Widersprüche seiner Zeit in Tönen einzufangen, sie in musikalische Strukturen, in berührende, klagende, aufrüttelnde, kraftvolle und kämpferische Klänge zu transformieren?

Der schöpferische Künstler, der geistreiche Mensch mit großen Gedanken zum Zeitgeschehen und bedrückenden Lebenserfahrungen, der verletzliche, an der Utopie einer besseren Welt festhaltende Idealist – all diese Aspekte beleuchtet Robert North anhand prägnanter Lebenssituationen, eingebunden in das aufregende Kapitel europäischer Zeitgeschichte von der Französischen Revolution bis zum Wiener Kongress, das sich exemplarisch in der Person Napoleon Bonapartes widerspiegelt.

Beethoven wird von der Wiener Gesellschaft als Star gefeiert. Doch sein Erfolg geht einher mit Gehörverlust, unerfüllter Liebe, enttäuschten politischen Hoffnungen. In diesem Spannungsfeld lotet Robert North Beethovens innere Befindlichkeit, seine emotionalen Stimmungen aus. Auch Textpassagen aus Briefen und Dokumenten geben tiefe Einblicke in seine Gefühls- und Gedankenwelt.

Beethovens Vermächtnis ist noch nicht erfüllt. Überzeugt von der europäischen Idee hält er unerschütterlich an seinem Credo fest, auch gegen den Lauf der Zeit: Frieden, Freiheit und Menschenliebe. Seine Botschaft ist universell: Seid umschlungen, Millionen!

  • Pressestimmen

    Ovationen für den tanzenden Beethoven
    Dieser Ballettabend macht glücklich: Das Theater ehrt den Komponisten mit einer frischen, beseelten und klugen Annäherung an die Größe und Tragik eines Genies. Die Premiere wurde leidenschaftlich gefeiert.

    Beethoven verpasst Napoleon eine schallende Ohrfeige. Der Franzose, den der Musiker als Prometheus gefeiert hat, als Kämpfer für die Idee von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, hat ihn schmählich enttäuscht, als er sich selbst zum Kaiser krönte. (…) Die Szene ist eine der historischen Freiheiten, die sich Ballettdirektor Robert North und Dramaturgin Regina Härtling nehmen, um sich der Figur zu nähern, die in diesem Jahr allerorten aufs Podest des Gedenkens gehievt wird. Gerade das tut „Beethoven!“ nicht – vielmehr zeigt es die göttergleichen Höhenflüge eines Genies und seine tiefen Abgründe. Es ist kein Abarbeiten an biografischen Fakten, sondern eine sensible Annäherung, ebenso leidenschaftlich wie warmherzig. Es ist Robert Norths schönste Choreografie fürs Gemeinschaftstheater. Die Premiere voller Drive wurde entsprechend gefeiert: Minutenlang stand das Publikum, jubelte und applaudierte. (…)
    Die Trinität Beethovens ist ein herrlicher Coup, um sich der vielschichtigen Persönlichkeit zu nähern, sie in der Historie zu verorten, Leidenschaft und Wirken zu zeigen, aber auch den unbeschwert-jungen Beethoven, seinen Humor und seine Schlagfertigkeit. (…) Und wenn North alle drei immer wieder zusammenführt, zeigt er, dass Beethoven am Ende allein und nur auf sich selbst zurückgeworfen ist. Tragik eines Genies.
    Es ist eine der großen historischen Figuren, deren Facettenreichtum Grosse liegt. Den Witz, aber auch die heißblütig vertretenen Ideale als politisch denkender, unbequemer Zeitgenosse, zelebriert er. Parfenov glänzt am Flügel mit leuchtenden Interpretationen, dass selbst Hits wie „Mondscheinsonate“ und „Pathétique“ nicht abgenutzt klingen. Großartig lässt er Beethovens „Sound“ in einen frechen Boogie Woogie übergleiten und zeigt mit eigenen Improvisationen, wie tief er Beethovenschen Gestus verinnerlicht hat. Das „Klavierduell“ gehört zu den musikalischen Höhepunkten des Abends.
    Borghesani ist in Topform, besonders wenn er in die Seelenqualen seiner Figur blicken lässt (…) Die Bandbreite der Tragik lotet er aus im Tanz mit der unsterblichen Geliebten (Victoria Hay, Amelia Seth und Irene van Dijk – auch ein Triple). Die gesamte Compagnie tanzt beseelt, schwebt über dem Tanzboden oder nutzt ihn, von John-Cage-Klängen aufgepeitscht, als Resonanzboden für peinigendes Pochen der Dämonen in Beethovens Kopf. In mehreren Rollen, vor allem als Napoleon, begeisterte Francesco Rovea. Am Ende ist eines klar: „Fürsten gibt es tausende, Beethoven nur einen.“ Gerade weil er dreifach ist.
    [Petra Diederichs, Rheinische Post, 27.01.2020]

    Ein Ballett wie ein Märchenfilm
    Robert Norths „Beethoven!“ feierte Premiere in Krefeld. Und erntete Jubel. Doch die unschuldig plakative Ästhetik scheint aus der Zeit gefallen.

    (…) Die Grundidee hinter „Beethoven!“ ist folgende: Der Komponist wird durch drei Performer, aus drei Perspektiven in unterschiedlichen Lebensabschnitten, dargestellt. Die mit ihren jeweils ihnen zur Verfügung stehenden Ausdrucksmitteln, durch exemplarische Stationen oder Aspekte aus Beethovens Leben geführt werden. Mit beachtlichem schauspielerischem Tiefgang verkörpert Generalintendant Michael Grosse selbst den alternden schon ergrauten späten Beethoven. Zeitgleich fungiert Grosse als Erzähler in dieser Produktion. André Parfenov, der mittlere Beethoven, wird immer wieder an einem Flügel sitzend auf die Bühne geschoben und drückt sich lediglich durch sein Klavierspiel aus. Alessandro Borghesani wiederum ist der junge Beethoven und vermittelt das, was seine Rolle zu sagen hat, mittels Tanz. Ausdrucksvoll setzt er die Gesten und in Bewegung gelegten Andeutungen etwa auf Leidenschaft, Verzweiflung, Beethovens Beziehungen oder auch Aufbegehren um. (…) das Publikum war überaus begeistert, weil man nun mal weiß, was einen erwartet und diese verspielte Leichtigkeit schätzt. Und weil die Tänzer und eigentlich alle Beteiligten mit dem, was sie machten, handwerklich sehr Überzeugendes geleistet haben. (…)
    [Christian Oscar Gazsi Laki, Westdeutsche Zeitung, 27.01.2020]

    „In mir steckt der Satan“
    In diesem Jahr begeht die Musikwelt den 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven. Krefelds Ballettdirektor Robert North würdigt den Rheinländer (Geburtsort: Bonn) mit seinem außergewöhnlichen Stück „Beethoven!“ im Stadttheater. Am Samstag war Premiere.

    Die Aufführung beginnt mit einer Szene, in der andere Stücke enden: eine Beerdigung. 1827 wird Beethoven zu Grabe getragen. Sarg und Trauergäste sind hinter einem transparenten Vorhang zu sehen, der mit der Handschrift des Musikgenies versehen ist. Da plötzlich springt Beethoven in Gestalt des Schauspielers Michael Grosse vital hervor. Was wollt ihr mich zu Grabe tragen, fragt der selbstbewusste Komponist, ich lebe doch für alle Zeit. Und so führt der quirlige Untote Ensemble und Zuschauer kommentierend durch die Stationen seines Lebens und die Zeiten bis in die moderne Musik hinein. Choreograph Robert North bedient sich dazu eines Kunstgriffs, der in der Literatur des frühen 19. Jahrhunderts aufkam. Die Aufspaltung einer Persönlichkeit in mehrere Personen. So tritt Beethoven parallel in drei Gestalten auf (…) Im Zusammenwirken von Ballett, Musik und Schauspiel verbindet die Aufführung die drei Sparten des Theaters zu einer Einheit. Das gelingt vorbildlich. Wie Zahnräder einer gut geölten Maschine greifen die Kunstformen harmonisch ineinander und ergänzen sich gegenseitig. Was die Aufführung vor allem ausmacht, ist ihre warmherzige Ästhetik. Bühnen- und Kostümbildnerin Luisa Spinatelli kleidet das vielköpfige Tanzensemble in die Mode des 19. Jahrhunderts und stattet die Kulisse mit arkadischen Gemälden alter Städte und Landschaften aus. Die Musik vom Band spielt beliebte Stücke von Bach, Mozart und eben Beethoven. Wiedererkennung garantiert. Die Tänze sind beschwingt, werden aber abwechslungsreich durch moderne Rhythmen ergänzt. Und immer wieder kommt es zu humorigen Einschüben (…) Das Premierenpublikum war von diesem außergewöhnlichen Ballettstück hingerissen. (…) Fazit: unbedingt sehenswert.
    [Ernst Müller, Stadt Spiegel, 29.01.2020]

    Dreifacher Beethoven
    (…) In der Bewegungssprache strahlt North mit zwei, drei Einfällen (…). Immerhin ist ihm die Idee zuzurechnen, Beethoven in drei Personen aufzuspalten. Und damit gelingt ihm der Clou des Abends. Denn er hat den Generalintendanten Michael Grosse gewinnen können, die Sprechrolle zu übernehmen. Ihm zur Seite stehen André Parfenov am Klavier und Tänzer Alessandro Borghesani (…). Grosse macht aus dem Abend einen Hauptgewinn. Fehlerfrei intoniert er einen Beethoven, der abseits jeglicher Klischees durch den Abend führt. Und wenn er seinen Appell an das Publikum richtet, gibt es kein Halten mehr. Die zahlreichen Zwischenapplause finden hier ihren vorläufigen Höhepunkt. Zu Recht. Und wenn er den Thron besteigt, aber nein, das muss man selbst hören. (…)
    [Michael S. Zerban, O-Ton, 26.01.2020]