fbpx
Vorheriges
Nächstes
Beuys' Küche

Beuys' Küche

URAUFFÜHRUNG | Konzeption: Sebastian Blasius | Mit Texten von Christoph Klimke, Björn SC Deigner und anderen
Regie Sebastian Blasius, Bühnen- & Kostümbild Caspar Pichner, Dramaturgie Martin Vöhringer

Programmheft downloaden PDF

In Krefeld ist Joseph Beuys am 12. Mai 1921 zur Welt gekommen. Einer der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts, der in seinem Werk permanent die Kunst wie das Leben befragt und die Grenzziehungen zwischen Kunst und Leben permanent in Frage gestellt hat, als Zeichner, Bildhauer, Aktionskünstler, Redner, Poet, humorvoller und unermüdlicher Streiter für mehr Demokratie. Sein 100ster Geburtstag im Jahr 2021 wird in seiner Geburtsstadt groß gefeiert.
Das Gemeinschaftstheater gratuliert mit einer Uraufführung: Mit Beuys‘ Küche konzipiert der Regisseur und Theatererforscher Sebastian Blasius einen Theaterabend – mit Texten von Christoph Klimke, Björn SC Deigner und anderen –, der sich mit Beuys‘ Wirken auseinandersetzt.
Kein biographisches Stück, sondern eine unterhaltsam-herausfordernde Inszenierung, in der Sebastian Blasius mit theatereigenen und mit theaterfremden Elementen, wie er sagt, „an Beuys‘ künstlerische Prinzipen andocken und sie für das Theater fruchtbar machen“ möchte.

Illustration: © Caspar Pichner

  • Pressestimmen

    In Beuys’ Küche gärt es

     

    Viele Fragen – keine Antworten. Für das Theater Krefeld und Mönchengladbach hat der Regisseur Theaterforscher Sebastian Blasius einen Abend im Geiste von Joseph Beuys konzipiert. Der Künstler hätte sein Vergnügen daran gehabt.

     

    […] Die Lust am Nicht-Verstehen pflegte Beuys wie kein anderer Künstler seiner Zeit. Vermutlich würde ihm deshalb gefallen, was das Theater Krefeld zum Start ins

    Beuys-Jubiläumsjahr in „Beuys‘ Küche“ auftischt. […] Zum 100. Geburtstag hat der Krefelder Sebastian Blasius einen Theaterabend konzipiert, der wegen des Lockdowns als Stream läuft. Das funktioniert – vielleicht sogar besser als eine Analog-Vorstellung, weil die Kamera Hilfestellung beim Hinschauen bietet.

    Denn der Abend will viel, sehr viel. Er gibt keinen biografischen Abriss der Person Beuys, sondern bietet eine Annäherung an seine Gedankenwelt mit Texten von einem Dutzend Autoren und Urhebern, eine Reise in einen philosophischen Kosmos, in dem sich „Beuys-Anfänger“ ohne Wegweiser leicht in den zahllosen Bildern verlaufen und die Hauptfragen aus den Augen verlieren: Was ist der Mensch? Wie will er leben und was ist er bereit, dafür zu tun?

    Der Hut ist nicht da. Aber sonst werden Beuys-Auskenner ihre Freude an den Entdeckungen haben: die Weste (Beuys’ Arbeitskleidung), der Hase (das Symbol, das er für sich selbst wählte) und etliche Anspielungen auf seine Werke (sogar der Kleiderbügel grüßt an einer pinkfarbenen Weste). Es ist kein Stück, es gibt keine Handlung, keine echten Dialoge. Und niemand sollte sich daran stören, dass alle scheinbar planlos über die Bühne laufen (Beuys war Verfechter des Nomadentums) und vor sich hinreden. Manchmal treffen mantra-artige Wiederholungen wie „Der Mensch in seinem jetzigen Zustand ist tödlich für sich und seine Umgebung.

    Er verkümmert zu einer arbeitenden Hülle“ oder über Demokratie, in der es jeden Tag möglich sei muss, „zu sagen so nicht und so nicht, sondern auf diese Art“ aus mehreren Mündern zusammen, überlappen sich. Dann werden die monologisierenden Schauspieler zum Chor, der an die Tragödien der Antike erinnern. Beuys glaubte an die Kraft der Kunst, die Welt zu verändern, weil der Mensch die Kunst war. Das war seine Idee von der sozialen Plastik. Blasius bringt eine Art soziale Theaterinstallation auf die Bühne.

    In ihren joggingartigen Aufzügen wirken die Schauspieler wie zu groß geratene Kinder zwischen überdimensionierten Spielzeugen – jedes natürlich ein Verweis aufs Beuys’sche Werk. Das hat Caspar Pichner eingerichtet. Jannike Schubert, Eva Spott, Philipp Sommer, Paul Steinbach, Ronny Tomiska und Bruno Winzen sind keine Darsteller, sondern Ideenträger und bringen Texte, die sie aus Gesprächen mit Zeitgenossen rekrutiert haben. Eine Regisseurin, die auf die indirekte Wirkung von Theater vertraut, kommt zu Wort, ebenso ein Komponist und eine Performance-Artistin, die nicht mehr an ihre Kunst glauben. Jeder Satz hat seine Wahrheit, selbst die Binse. „Wir denken Verbesserungen immer in vorhandenen Strukturen.“ Darauf darf man eine Weile kauen.

    Beuys‘ Küche ist keine Stube, in der Gäste es behaglich haben, sondern ein Laboratorium, in dem gesellschaftliche Fragen gären. Einen Abend, der den Geist Beuys’ atmet, wollte Blasius kreieren. Durch „Beuys’ Küche“ pustet er so viel Kunst- und Gesellschaftsdiskurs, dass einem manchmal die Luft wegbleiben möchte vor lauter Spannung, nicht alles mitzubekommen, nicht alle Verweise aufschlüsseln zu können. Auch 35 Jahre nach seinem Tod, sollte man es sich mit Beuys nicht einfach machen.

     

    Petra Diederichs, RP Krefeld, 01.01.2021

     

     

     

     

    […] Hier wie im poetisch-bezugreichen Requiem-Schlussbild ist „Beuys‘ Küche“ sowohl weit und lang nachhallende Echokammer als auch kritische Reflexion eines Künstlers, der keine klaren Grenzen zwischen Kunst, Leben, Politik und Spiritualität gezogen hat, dessen radikales Denken und Handeln bis heute Wellen schlägt. Wenn er auch leise und manchmal fast träge daher kommt: Der Theaterabend könnte den klugen Anfang eines langen Gesprächs im Geiste einer Beuysschen „permanenten Konferenz“ bilden […]

    Max Florian Kühlem, nachkritik.de, 31.01.2021

Abo-Hotline
0800 / 08 01 808
Jetzt informieren!