Vorheriges
Nächstes
Der Tod und das Mädchen

Der Tod und das Mädchen

Von Ariel Dorfman - Deutsch von Ulli Stephan und Uwe B. Carstensen
Inszenierung Rafat Alzakout, Bühne und Kostüme Emilie Cognard, Dramaturgie Thomas Blockhaus

In einem Haus am Meer eines nicht näher bezeichneten Landes, das nach einer Zeit der Diktatur jetzt wieder demokratisch regiert wird, treffen drei Personen aufeinander: Rechtsanwalt Gerardo, der gerade von der Regierung zum Vorsitzenden eines Ausschusses ernannt wurde, um Folterungen während der Diktatur zu untersuchen, Paulina, seine Frau, die ein Opfer dieser Folterungen gewesen ist und der Arzt Roberto, an dessen Stimme Paulina ihren Folterknecht zu erkennen glaubt. Die Situation spitzt sich zu, als Paulina Roberto, der alle Vorwürfe abstreitet, überwältigt und bedroht. Doch ist er wirklich der, für den sie ihn hält? Und ist die Gewalt gegen ihren vermeintlichen Vergewaltiger gerechtfertigt?

Der chilenischer Autor Ariel Dorfman verwirrt mit dieser psychologisch genau konstruierten Extremsituation das moralische Empfinden und das Rechtsverständnis seiner Protagonisten – und er prüft das der Zuschauer im Theater.

Besetzung

In einzelnen Vorstellung kann die Besetzung varieren

  • Pressestimmen

    Was Menschen Menschen antun können

    Der Syrer Rafat Alzakout inszeniert das Stück „Der Tod und das Mädchen“ des Chilenen Ariel Dorfmann fürs Theater-Studio. Ein fast unaushaltbarer Theaterabend,

    Das wir im Theater sitzen, kriegen wir gleich mit voller Dröhnung um die Ohren. Die schnellen Beats knallen aus den Boxen, Ronny Tominska brüllt im Stil eines Showmasters seine agitierenden Sätze den Zuschauern in der ersten Reihe via Mikrofon direkt unter die Gürtellinie. Hier geht gleich eine fette Show ab. […]

    Ein Glashaus, eingerahmt von einem Vorhang aus durchsichtigen Hüllen, in denen […] Kleider an Bügeln hängen, bilden mit der Bühne ein Quadrat, an das sich von zwei Seiten Stuhlreihen drängen. Kalt, sachlich schwarz und weiß. Eine Versuchsanordnung. (Ausstattung: Emile Cognard) […]

    Es geht um sehr viel. Vordergründig um Folter. Was sie mit dem Opfer macht, den Tätern, dem Staat, in dem sie stattgefunden hat und jetzt aufgearbeitet wird, um Diktaturen. […] Es geht um das, was Menschen Menschen antun können. Um Gewalt, die Gewalt erzeugt. Um Moral und die Unmöglichkeit, moralisch zu sein in einer moralischen Welt. Um das Dilemma des Menschseins. Vielleicht sogar um Gott.

    Wenn Regisseur Rafat Alzakout Adrian Linke als Doktor mit einer Kerze in der Hand, Glitzerschuhen und einer Windjacke, an die zwei weitere Ärmel angenäht sind, ins Leben des Ehepaares treten lässt, […] zieht er dem realistischen Bühnengeschehen den Boden unter den Füßen weg. Denn so ziemlich alles, was in den 110 Minuten erzählt wird, soll sich nicht bequem in ein „Ja, so war das“ ablegen lassen.

    Alzakout transformiert die Geschichte mit exzessivem Einsatz von Mikrofon und Live-Kamera, drastischem Kostüm und bis an die Grenzen gehende Entblößung der Schauspieler in eine unklare, irritierende Wirklichkeit, die um so mächtiger die Themen des Abends aufs Tapet bringt. Nele Jung entäußert grandios größte Verletztheit, ihr Partner Ronny Tominska hat sich die Rolle des Intellektuellen, dem seine Denkgebäude um die Ohren fliegen, eindringlich zurechtgelegt. Adrian Linke ist die ambivalente Doktorgestalt, der etwas Aalglattes ebenso eigen ist wie Brutalität und Naivität. Bis zum Schluss bleibt seine Täterschaft als Folterknecht in Frage. […]

    (Rheinische Post, Mönchengladbach, 2.12.2019, Armin Kaumanns)