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Die Dreigroschenoper

Die Dreigroschenoper

Von Bertolt Brecht - nach John Gays "The Beggar's Opera" - Musik von Kurt Weill
Inszenierung Helen Malkowsky, Bühne Hermann Feuchter, Kostüme Alexandra Tivig, Musikalische Leitung Willi Haselbek, Choreografie Stefan Kunzke, Dramaturgie Thomas Blockhaus

„Und der Haifisch, der hat Zähne…“

Macheath, genannt Mackie Messer, skrupelloser Chef eines Londoner Gangsterunternehmens, und Jonathan Peachum, Besitzer der Firma Bettlers Freund, für den Not und Armut der anderen ein florierendes Geschäft ist, stehen sich in Brechts Dreigroschenoper als Konkurrenten gegenüber. Als Peachum erfährt, dass seine Tochter Polly heimlich den Gangsterboss geheiratet hat, tobt er und will ihn an den Galgen bringen. Trotz Pollys Warnung verlässt der frischgebackene Ehemann die Stadt jedoch nicht, sondern besucht wieder einmal die Huren von Turnbridge, die ihn prompt ans Messer liefern. Seine Hinrichtung scheint unabwendbar.

Auch die von Kurt Weill komponierte Musik, in die er Stilelemente von Blues, Jazz, Tango und Jahrmarktsmusik aufnahm, trug zum phänomenalen Erfolg dieser legendären Kapitalismuskritik bei. Gleichzeitig Provokation und Spektakel mit eingängigen Songs wie Die Moritat von Mackie Messer, Die Seeräuber-Jenny oder dem Kanonen-Song, wurde Die Dreigroschenoper von 1928 zum erfolgreichsten deutschen Bühnenwerk des 20. Jahrhunderts.

  • Pressestimmen

    Die Dreigroschenoper in Formalin
    (…) Opernregisseurin Helen Malkowsky verlegt die Geschichte in eine frostig kühle Atmosphäre einer Pathologie. Mackie Messer, etwas gewöhnlich ohne typische Attribute verkörpert durch Michael Ophelders, ist der Pathologe, der in seinem von Leichen umgebenen Arbeitsplatz im Nu in die Geschichte der Dreigroschenoper hineinschlittert. Die Figuren – bis auf Jonathan Jeremiah Peachum (als zynisch glatten Geschäftsmann gespielt von Adrian Linke) und Polizeichef „Tiger“ Brown (süffig interpretiert von Bruno Winzen) – sind allesamt Tote, die peu á peu aus ihrer Starre erwachen (Choreografie: Stefan Kunzke) und in die weiteren Rollen der Dreigroschenoper schlüpfen (Kostüme: Alexandra Tivig).
    (…) Die eigentliche Perversion und Faszination von dem „Stück mit Musik“ nach John Gays und Johann Christoph Pepuschs Bettleroper ist ihre kompromisslose Mischung aus Propaganda, Satire und Unterhaltung für den übersättigten Bürger, der auch mal gerne etwas Verbotenes und Anrüchiges sehen möchte. Die Dreigroschenoper, die keine Oper ist, hätte wenig Erfolg gehabt, wäre ihr das Voyeuristische nicht eigen. Wäre sie zeitgleich nicht auch eine unterhaltsam-schräge Revue.
    (…) Es ist schon erstaunlich, wie sich die Moritat von Mackie Messer, mit ihrer lässig bitteren eingängigen Melodie, mit ihrem süßlich verwest stinkendem von Bluttat und Unmoral erzählendem Text zu einem musikalischen Evergreen entwickelt hat. Bei der gewollt schrägen und unter der leicht fassbaren melodiösen Oberfläche immer auch zerrissen brüchigen Musik Weills ist es fast schon ein Sakrileg, von einem Schlagerzusprechen. Und doch zieht die Moritat, ziehen die Songs wie der Kanonensong, die Seeräuber-Jenny, die Zuhälter-Ballade oder die so bitterbös treffende Ballade von der sexuellen Hörigkeit, wie man es sonst eher nur vom Schlager kennt.
    Westdeutsche Zeitung, Krefeld, 23.09.2019

     

    Die Bettler betteln, die Diebe stehlen, die Huren huren. Die Verhältnisse sind geklärt bei Bertolt Brecht. Doch ebenso klar ist: „Es muss etwas Neues geschehen“. Das fordert Jonathan Jeremiah Peachum, der aus der Armut der Menschen Profit schlägt, weil er sie mit fiktiven Leid-Schicksalen betteln schickt. Denn all sein ausgedachtes Elend berührt die abgestumpften Mitmenschen nicht mehr. Und auch sein Widersacher Mackie Messer kann mit dem Rauben und Totschlagen keine tiefe Kapitalismuskritik mehr entzünden.
    (…) Zum Glück ist da die Musik. Auch wenn ihr der Gassenhauersog entzogen wird, hat sie Magnetkraft. Parolen wie vom Fressen und der Moral und dem verrotteten Christ verpuffen hier nicht. Da hat der Haifisch noch ein paar Zähne. Willi Haselbek und sein Threepenny Opera-Orchester (mit Dirk Grezius, Kim Jovy, Christoph Kammer, Jörg Kinzius, Olaf Krüger, Olaf Scherf und Henning Nierstenhöfer) spielen, was das Zeug hält: Tango, Swing und Schlagerrhythmus feuern sie mit Leidenschaft ab. So gewinnt der Abend an Fahrt und kurz vor der Pause hat er richtig Tempo, bei der sich auch die choreografische Vorbereitung der Schauspieler (durch Stefan Kunzke) auszahlt.
    Henning Kallweit, Paul Steinbach, Philipp Sommer, Ronny Tomiska, Paula Emmrich, Vera Maria Schmidt und Kathrin Scharfhausen wechseln Kostüme und Identitäten im Handumdrehen. Chris Nonnast gibt als Celia Peachum ein facettenreiches Krefeld-Debüt als Spielerin, Bruno Winzen als jovialer Polizeichef und Jannike Schubert als wunderbare Spelunken-Jenny mit rauchigem Timbre gefallen. Ophelders als Mackie Messer überzeugt stimmlich, und Adrian Linke überrascht als grandioser Tänzer. Den tiefsten Eindruck hinterlässt Carolin Schupa als Polly. Sie entwickelt sich vom Mädchen, das sich von Mackie einwickeln lässt, zur zielstrebigen Frau, die Geschäftssinn entwickelt und dafür auch über Mackies Leiche gehen würde.
    Rheinische Post, Krefeld, 23.09.2019

     

    Die Dreigroschenoper
    Ein Fall für die Pathologie
    Bereits im Jahr 1928 uraufgeführt, zählt „Die Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht nicht zuletzt auch durch die wunderbare Musik von Kurt Weill auch heute noch zu einem der großen Klassiker auf deutschen Schauspielbühnen. Ein weiterer Grund hierfür ist vielleicht auch die geschickte Personenkonstellation des Werkes. Der Verbrecher Macheath, genannt Mackie Messer ist gut mit dem Polizeichef Brown befreundet. Auf der anderen Seite steht der skrupellose Unternehmer Jonathan Jeremiah Peachum, der sein Geld damit verdient Bettler besonders mitleidvoll auszustatten und dafür von Ihnen große Anteile des erbettelten Geldes verlangt. Nachdem Macheath heimlich Peachums Tochter Polly geheiratet hat, steigert sich der Konkurrenz- zu einem wahren Existenzkampf an, der für Macheath am Galgen enden soll.
    In Krefeld übernimmt Helen Malkowsky die Inszenierung, die an diesem Hause schon ganz hervorragende Opern wie „Mazeppa“, „Stiffelio“ oder auch „Katja Kabanowa“ inszeniert hat. Nun führt sie zum ersten Mal Regie mit einem Schauspielensemble (…)
    Dabei überzeichnet Malkowsky die Figuren zu einer „lustvollen, grotesken Verzerrung“, was für das Kostümbild von Alexandra Tivig durchaus vorteilhaft ist. Ihr gelingen hierdurch in Verbindung mit einer hervorragenden Maskenbildner-Abteilung des Theaters einige wirklich schön-schrille Kostüme.
    (…) Zum Glück hat man in Krefeld ein hervorragendes Schauspiel-Ensemble, was den Abend dann doch im Rahmen der ihnen gegebenen Möglichkeiten retten kann. Michael Ophelders spielt die Rolle des Mackie Messer bravourös und überzeugt auch bei den Gesangsnummern. Auch Carolin Schupa zeigt als Polly Peachum was in ihr steckt, sie sei stellvertretend genannt für die weiteren elf Darsteller, die allesamt sehr gute Arbeit ablieferten und hierfür vom Premierenpublikum zu Recht mit großem Beifall bedacht wurden. Dies gilt auch für das achtköpfige „Threepenny Opera Orchester“ unter der musikalischen Leitung von Willi Haselbek, einem gern gesehen Gast an diesem Hause. So verlässt man den Theatersaal schlussendlich etwas zwiegespalten mit einem „Die Moritat von Mackie Messer“ auf den Lippen und dem guten Gefühl, dass ein Großteil des Publikums auch dem Inszenierungsteam brav applaudierte, so dass anzunehmen ist, dass die Umsetzung dieses Klassikers wenigstens ihnen besser gefallen haben mag.
    Der Opernfreund, 22.09.2019

     

    Anatomisches Theater
    Die Dreigroschenoper gehörte bis 1933 zu den erfolgreichsten Theateraufführungen aller Zeiten in Deutschland. Am 31. August 1928 fand die Uraufführung im Theater am Schiffbauerdamm in Berlin statt. Bis heute unvergessen Harald Paulsen als Mackie Messer und Lotte Lenya, die Frau des Komponisten, als Seeräuber-Jenny. Wer die beiden im Ohr und Bertolt Brecht im Kopf hat, geht mit bestimmten Erwartungen in das Theater, das sich an eine neue Inszenierung wagt.
    (…) Wer die längst totgeglaubten Klischees vom Stadttheater liebt, wird sich in dieser Inszenierung sehr wohl fühlen. Sie geht flott von der Hand, bietet viel .Amüsantes“ und die Beilagen von Gesang und Tanz lockern den Abend auf. Dazu kann Malkowsky auf das hervorragende Ensemble in Krefeld zurückgreifen. An erster Stelle ist an diesem Abend sicher Jannike Schubert als Spelunken-Jenny zu
    nennen, die in der Überlegenheit wie der Tragik ihrer Rolle glänzt. Gleich gefolgt von Michael Ophelders, der bereits Erfahrung in der Rolle des Macheath hat, was ihm hier zugutekommt, und eine fröhliche Version der Moritat von Mackie Messer darbietet. Wie nicht anders zu erwarten, gelingt Adrian Linke ein souveräner Auftritt als Peachum. Bruno Winzen wirkt als Polizeichef etwas unterfordert. Polly wird von Carolin Schupa ebenso ordentlich dargeboten wie Celia, ihre Mutter, von Chris Nonnast. Die weiteren Rollen sind adäquat besetzt.
    O-Ton, Kulturmagazin mit Charakter, 23.09.2019