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Goodbye to Berlin

Goodbye to Berlin

Szenische Lesung von Frank Matthus nach Kurzgeschichten von Christopher Isherwood // Mit Songs nicht nur aus den 20er und 30er Jahren // Aus dem Englischen von Kathrin Passig und Gerhard Henschel
Inszenierung Frank Matthus, Musikalische Leitung Jochen Kilian, Ausstattung Anne Weiler, Choreografie Kerstin Ried, Dramaturgie Thomas Blockhaus

Aus Christopher Isherwoods 1939 unter dem Titel „Goodbye to Berlin“ veröffentlichten Kurzgeschichten wurde 1966 das Musical „Cabaret“, das 1972 mit Liza Minnelli in der Rolle der Sally Bowles spektakulär verfilmt wurde.

Mit fotografischer Präzision erfasst Isherwood die letzten Tage der Weimarer Republik in Berlin Anfang der 1930er Jahre und zeichnet eindrückliche Porträts der Menschen, die seinen Weg kreuzen und unterschiedlicher nicht sein könnten: die am Existenzminimum lebende Familie seiner lungenkranken Zimmerwirtin, zwei junge Männer, die ihr Glück suchen und in fataler Weise voneinander abhängen, eine vermögende jüdische Kaufhaus-Familie, deren Mitglieder vor allem um sich selbst kreisen, und zahlreiche Halbweltexistenzen, unter ihnen die hinreißend leichtsinnige Sally Bowles. Im Hintergrund der Szenerie marschieren bereits die Nazis auf. Doch Isherwoods Figuren leben ihr Leben und scheinen die drohende Katastrophe nicht sehen zu wollen.

Ein melancholischer Abgesang auf eine verlorene Welt: Kosmopolitisch, libertin, glamourös und dekadent.

  • Pressestimmen

    Theater-Premiere „Goodbye to Berlin“ in Mönchengladbach : Kostümprobe einer Katastrophe

    Eine schrille Groteske im Sündenbabylon Berlin, ein verrauchter Club mit aufgeheizten, lebenshungrigen Menschen – undenkbar in Corona-Zeiten. Schauspieler Paul Steinbach brachte es am Ende der Vorstellung auf den Punkt: Das Musical „Cabaret” unter den jetzigen Umständen zu geben wäre unsittlich und unsinnig gewesen.
    Was macht man also, wenn man das Musical “Cabaret” spielen will, aber nicht darf? Wie geht man mit Zuschauern um, die natürlich an Liza Minelli als Sally Bowles und den Ohrwurm “Willkommen – Bienvenue – Welcome” denken? Regisseur Frank Matthus und sein Ensemble sind nicht der Versuchung erlegen, eine Diät-Version des Musicals auf die Bühne zu bringen. Sie haben sich auf den Ursprung von „Cabaret” besonnen: Christopher Isherwoods Roman „Goodbye to Berlin”. Neutral „wie eine Kamera” wirft der US-amerikanische Autor in seinem autobiografischen Roman Schlaglichter auf das Berlin von 1930: Menschen, die völlig unpolitisch in ihrem Orbit kreiseln, während die Nazis aufmarschieren und sich der Weltuntergang ankündigt. Mitten drin: der junge […] Autor […]
    Da ist die Pension von Fräulein Schneider, gespielt von Esther Keil, in der Isherwood zur Untermiete wohnt […] die charmant-rotzige Clubsängerin Sally Bowles, verkörpert mit relativer Ernsthaftigkeit und einem Anflug Tragik von Jannike Schubert […] der Arbeiterjunge Otto Nowak (Lars Wandres) und der reiche jüdische Sonderling Bernhard Landauer (Adrian Linke).
    Die Inszenierung bleibt eng an der literarischen Vorlage, aber Matthus setzt am Anfang auf Spiegelungen, ein Spiel mit dem Wissen der Zuschauer. Die Perspektive des Autors (Paul Steinbach) ist nicht genug. Sie wird gebrochen von Bruno Winzen als Herr Schultz, der dem Autor die künftige Bedeutung seines Romans für das Musical „Cabaret” erklärt. […]
    Die anfangs vergnügliche Stimmung kippt. Das entspricht dem Lauf der Geschichte. Aus beiläufigen antisemitischen Bemerkungen wird handfeste Bedrohung. Auf der Bühne künden der gespenstische Besuch im Sanatorium und die letzte beklemmende zwischen Landauer und Isherwood von der Bedrohung. Es ist die „Kostümprobe einer Katastrophe“ […]
    „Szenische Lesung” umschreibt nur bescheiden das kompakte, harmonisch verschränkte Zusammenspiel aus Schauspiel, Musik, Gesang, Tanz und Lesung. Es ist die ernsthafte, facettenreiche Inszenierung, aus der der Zeitgeist perlt und die sich gezielt vom Musicalstoff zu distanzieren scheint. Jochen Kilian, Kim Jovy und Bernd Zinsius sorgen einfühlsam als Mini-Bigband für die Songs aus den 1920er- und 1930er Jahren. Adrian Linke, Paul Steinbach, Esther Keil und Bruno Winzen meistern ihre Rollen mit Witz, Wucht und Eleganz. Wunderbar der im Hintergrund tanzende Yael Shervashidze, während Sally sich auf dem Sofa räkelt und die Briefe ihres entschwundenen Geliebten liest. Immer wieder gibt es diese Bilderebenen, die auch Realitätsebenen sind. Da wird erzählt und zugleich gesungen, da wird gelesen und mit Tanz untermalt, da wird rezitiert und getanzt, pantomimische Szenen, Stils aus Stummfilmen gleich, immer natürlich den Abstandsregeln entsprechend.

    Sabine Janssen (RP, 15.09.2020)


    Schwungvolles Kammerspiel


    Gelungener Saisonstart am Theater Mönchengladbach mit „Goodbye to Berlin“

    […] Mit „Goodbye to Berlin“ dem Titel eines Erzählbandes von Christopher lsherwood aus den frühen 30er Jahren, aus dem nach dem Krieg das Erfolgsmusical „Cabaret wurde, startet das Haus nun in die Spielzeit Allerdings – und dafür ist in diesem Fall Regisseur Frank Matthus zuständig – sprühen dabei die kreativen Funken. […]
    Auf der weitgehend leeren, schwarzen Bühne […] geht die Post ab. Regisseur Matthus […] rankt um die Figur des Autors Christopher Isherwood ein über weite Strecken höchst unterhaltsames Vexierspiel. Was als Lesung mit Tisch und Stuhl beginnt, weitet sich bald zum Kammerspiel, in das so unvermittelt wie amüsant Verfremdungseffekte einfließen.
    Der Autor in Gestalt von Paul Steinbach ringt um die Deutungshoheit seiner Geschichte. Allerdings drängen sich zunächst der Conférencier (Adrian Linke mit dem Song „WeIcome“) und die von Bruno Winzen und Esther Keil verkörperten Bewohner der Fräulein Schneider’schen Unterkunft singend in den Vordergrund. Später stößt auch die lebenslustige Sally Bowles dazu, die zwischen Prekariat und Revolution, Prostitution und Selbstbestimmung in die weltgeschichtliche Katastrophe schliddert. Jannike Schubert ist die Sally mit vollem Körpereinsatz, umwerfend langen Beinen und facettenreicher Musical-Stimme (Choreografie Kerstin Ried). […]

    Armin Kaumanns (Aachener Zeitung, 14.09.2020)

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