Vorheriges
Nächstes
Wer hat Angst vor Virginia Woolf?

Wer hat Angst vor Virginia Woolf?

von Edward Albee
Inszenierung Sascha Mey, Ausstattung Udo Hesse, Dramaturgie Thomas Blockhaus

Nur eine der bekanntesten Eheschlachten auf dem Theater? – Nein, nichts weniger als eine gnadenlose Kritik an der Hohlheit gesellschaftlicher Konventionen und der scheinheiligen moralischen Fassade der intellektuellen Mittelklasse.

Eine Art „exorcism“, eine Austreibung, hatte Edward Albee im Sinn, als er diese legendäre eskalierende Afterparty im Hochschulmilieu von Martha, George, Nick und Honey schrieb. Tabulos und mit beißendem Humor demaskiert er ihre düsteren Beziehungsspiele, und zeigt so die tiefen Verletzungen der Seelen und Herzen seiner Protagonisten.

Besetzung

In einzelnen Vorstellung kann die Besetzung varieren

  • Pressestimmen

    Diese Ehehölle ist ein Fest

    Das Stück gilt als die „Mutter aller Zimmerschlachten“ und scheint nicht totzukriegen zu sein. Edward Albees Ehedrama „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ kam 1962 in New York zur Uraufführung und war schon ein Jahr später in der Übersetzung von Pinkas Braun in Berlin zu sehen. Nun hat es Regisseur Sascha Mey, der lange Regieassistent am Haus war, für das Theater Krefeld-Mönchengladbach inszeniert. (…)

    Willkommen in der Ehehölle von Martha (Eva Spott) und George (Michael Ophelders), die das junge Pärchen Honey (Jannike Schubert) und Nick (Ronny Tomiska) nach einer Party noch bei sich zu Hause empfangen und so gnadenlos in ihren Ehezwist hineinziehen und instrumentalisieren, wie sie auch selbst gnadenlos miteinander umgehen. (…)

    Das wirkt in diesen hochpolitischen Zeiten, in denen heiße Themen wie Rechtsruck der Gesellschaft, Klimawandel und andere selbst Familien auseinanderdividieren, ein wenig anachronistisch. Warum also soll man sich Albees Ehedrama antun? Weil es eben unverwüstliches Schauspielertheater ist, und wenn man die Schauspieler dazu hat, kann man mit dem Stück sein blaues Wunder erleben – und das klappt dann auch mit dieser Inszenierung

    Eva Spotts Martha kämpft zwar mit den gröberen Waffen Vulgarität und Seitensprung lässt aber auch ihre Verletzlichkeit nuanciert durchscheinen. Der George von Michael Ophelders beginnt als unscheinbares Biedermännchen, brilliert zwischendurch mit der gedanklichen Schärfe des klarsichtigen Intellektuellen und untergräbt am Ende soglaubhaft ehrlich wie unsentimental die Lebenslüge, die das Ehepaar trotz aller Konflikte aneinander geschmiedet hat: (…)

    Die Leistung von Jannike Schubert als Honey und Ronny Tomiska als Nick besteht darin, sich im Ehekrieg der Älteren nicht einfach in die Rolle der Statistendrängen zulassen. Sie nutzen den Raum, den ihnen die Regie Meys auch gewährt, den Brüchen ihrer Figuren mindestens so viel Tiefe zugeben, dass man ihre eigene Ehebölle schon aufscheinen sieht. Am Ende viel Applaus für das trotz aller Derbheiten sehr differenzierte Spiel aller Akteure und auch für die Regie Sascha Meys.

    WZ, Krefeld 7.10.2019

     

    Udo Hesse hat in der Fabrik Heeder mit groben Podesten auf drei Seiten eine Mini-Arena umrissen, damit haben die vier Akteure Platz für ständige Ortswechsel zwischen den angedeuteten Tribünen und der Spielfläche des Kampfplatzes. (…)

    Eva Spott gibt die haltlose, dem Alkohol verfallene Martha als sprunghaft-launischen Temperamentsbolzen. Mit den Zähnen klaubt sie einen heruntergefallenen Eiswürfel vom Boden auf, in lasziven Posen baggert sie den jüngeren Nick an und vollführt auf dessen Knien einen Handstand. Was der Schauspielerin verdienten Szenenapplaus beschert. Famos der Reichtum ihres Mienenspiels, während Michael Ophelders mit meist gleichmütigem Ausdruck seine Giftpfeile in galligem Humor tränkt. Sein George stellt kontrollierte Frustration indes nur zur Schau, er attackiert Martha auch körperlich. Und lässt keine Gelegenheit aus, sein jeweiliges Gegenüber boshaft bloßzustellen.
    Das Pendant des älteren Paares bilden Jannike Schubert als naive, aber kratzbürstige Honey und Ronny Tomiska als ihr unsolidarischer Ehemann, der allzu bereitwillig intime Details seiner Frau preisgibt. Im rosa Petticoat verkörpert Schubert überzeugend die Lebenslust einer jungen, wiewohl gesundheitlich labilen Frau, wogegen Tomiska sich im königsblauen Anzug wie ein spießiger Karrierist ausnimmt. Regisseur Sascha Meyer lässt die vier reichlich mit Whisky- und Cognac-Gläsern hantieren, das Requisit Alkohol regiert die Choreografie.

    Rheinische Post, Krefeld, 07.10.2019